Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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Meine Liddy?

Der Fremde wiederholte die vorige Geſte und fragte: Wo iſt ſie?

Vor vielen Jahren iſt ſie ſpurlos verſchwunden und wir beklagen ſie als eine Todte.

Ueberraſcht ſchlug der Fremde die Hände zuſammen, dann verſank er in tiefes Nachſinnen, worauf er Roſa mit forſchendem Blicke betrachtete. Es trat jetzt wieder eine große Pauſe ein. Roſa milderte ihr Urtheil über das widerliche Lächeln, welches ſeit dem Eintreten des Fremden nicht von deſſen Mund gewichen war; ſie fing an, es für Verlegenheit zu halten, wie ihr auch ſeine Manier, mit dem einen Fuße den Boden zu treten, als wäre der letztere ein Spinnrad, und die Hand unter das bärtige Kinn zu legen und dabei mit dem Kopfe zu wackeln, den Eindruck rathloſer Verlegenheit machte. Es that ihr leid! Er hatte Liddy auf ſeinen Armen getragen, er hatte Roſa auf ſeinen Armen getragen, als ſie kaum lallen konnte, und derſelben Roſa ſollte er jetzt wie ein ſchüch⸗ ternes Kind gegenüberſtehen, ohne daß ſie ihm ermuthi⸗ gend entgegenkäme? Sie lud ihn freundlich ein, auf dem Stuhle, der in ſeiner Nähe ſtand, Platz zu nehmen, und ſetzte ſich ſelbſt am Klavier nieder, den Ellbogen leicht auf den Notenhalter geſtemmt.

Nielſen nahm Platz, räusperte ſich und ſah ſich im