Teil eines Werkes 
2. Bd. (1868)
Entstehung
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befand ſich Roſa allein zu Hauſe, was äußerſt ſelten vorkam. Sie ſaß an ihrem Piano und ſang eins ihrer Lieblingslieder. Volltönend klangen dazu die Accorde des Klaviers und ſie hörte nicht das heiſere Geläute der Klingelthür, die Jemand leiſe und vorſichtig öffnete, und es entging ihr, daß Jemand nach kaum hörbarem Klopfen in das Zimmer getreten war.

Plötzlich vernahm ſie ein leiſes Räuspern hinter ſich und erſchrocken ſprang ſie von ihrem Stuhle auf. Ein Herr ſtand vor ihr. Er trug einen makelloſen, ſehr neu ausſehenden Ueberrock, der wie ein geſpreizter Thorweg offen ſtand und unter welchem der von einem goldenen Doppelknopf zuſammengehaltene Frack, eine dunkelbraune, rothgeblumte Sammtweſte und eine ſchwere goldene Uhr⸗ kette ſichtbar waren. Auf der Diele glänzte ein Paar zierlicher Lackſtiefel, in der Hand hielt er einen weißen Seidenhut, den er verlegen ſtreichelte. 8 Es thut mir herzlich leid, ſagte er mit einem eigen⸗ thümlichen Schnarren,daß Sie ſo erſchrocken ſind, Fräulein Stubenrauch nicht wahr, ich irre mich nicht in Ihrer Perſon? Ich habe mehrere Male angeklopft und glaubte zu hören, daß man hereinrief.

Roſa hatte ſich ſchnell wieder von ihrem Schreck er⸗ holt und ſagte:Ich bedaure ſehr, die Mutter iſt aus⸗ gegangen. Sie war neben ihrem Stuhle ſtehen geblieben