Teil eines Werkes 
1. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

186

Bei dieſen Worten lag ein Gemiſch von freudigem Entzücken und Schelmerei über Adelinens Antlitz aus⸗ gebreitet. Daher erſchrak Karl nicht über die anſcheinend bittere Nachricht, ſondern fragte mit heiterer Spannung:

Trennen? Für immer?

Nicht für immer, auf einige Zeit.

Wohin gehſt Du?

Ich bleibe. Wenn Du mich liebſt, ſo laß kein Wort des Widerſpruchs laut werden. Ich bleibe, nur Du gehſt.

Karl, dem ein ahnendes Verſtändniß aufging, ſchüttelte ernſt den Kopf.

Ich habe mit dem Major geſprochen fuhr Adeline fort,wir hatten den gleichen Gedanken; wir haben einen Entſchluß gefaßt und hoffen, Du wirſt ſeine Ausführung unterſtützen. 1

Du kennſt meine Anſichten, Adeline. Ich kann es nicht annehmen, es komme, von wem es wolle, um wie viel weniger, wenn es von dem Manne kommt, den ich betrog, deſſen Ehre ich in dieſer Stunde mit Füßen trete. Eher will ich bettelnd mein Ziel verfolgen!

Karl, flehte Adeline,was Du ſprichſt, ſprichſt Du aus Unkenntniß. Er hat keinen Antheil daran als den der Mitwiſſenſchaft. Was Du von der Gunſt verſchmähſt, das nimm wenigſtens von der Liebe hin!

Aber nicht von der hoffnungsloſen Liebe, ſeufzte Karl.