„Iſt die Puppe Dein?“ fragte der Knabe, zu der klei⸗ nen Wärterin herantretend.
Sie nickte und knüpfte hieran ſofort die Frage, ob die Bude, die ſie vorhin geſehen habe, wirklich zum Spielen ſei.
Ueber die bejahende Antwort ſchien die Kleine ſo er⸗ freut, daß ſie zu dem Knaben ſagte:
„Wenn Du die Puppe gern ein bischen tragen möch⸗ teſt, ſo kannſt Du ſie nehmen.“ Worauf der Knabe die Puppe etwas ungeſchickt in Empfang nahm und der neuen Nachbarin die Eröffnung machte, daß er ſeine Aeltern, die bald kommen müßten, um Erlaubniß bitten werde, heute gleich einmal die Bude aufſchlagen zu dürfen. Statt der erwarteten Aeltern kam jetzt die Dienſtmagd, auf dem Rücken einen Korb mit Küchengeſchirr, in der einen Hand eine Meſſerputze und mit der andern den Kinderwagen ziehend, dem der Knabe ſchon längſt entwachſen war und worin ſich in gegenwärtigem Augenblicke Wäſchleinen, Klammern, Bürſten, Stiefelwichſe und zwei Regenſchirme befanden. Die Dienſtzeit, welche die Magd bei der Fa⸗ milie verbracht hatte, war ſo ehrwürdigen Datums, daß 3 ihr etwaiger Tod von der Herrſchaft viel bitterer hätte beweint werden müſſen als der ihres eigenen Knaben, wenn die Liebe nichts Anderes wäre als die Gewohnheit langer Jahre. Die treue Magd wurde von dem Kleinen als diejenige Autorität betrachtet, welche gleich auf die


