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der Schmerz ihm die laͤngſt verlorenen Kraͤfte wiedergegeben. Krampfhaft warf er ſich im Bette hin und her, mit dem Ausruf:„nein, nein, es kann nicht ſeyn! Du kannſt nicht reiſen, Du kannſt mich nicht verlaſſen!“ und dabei verweigerte er die ſchon halb erſtorbene Hand zum Abſchiede. Endlich gelang es Hippel, ihn von der Nothwendigkeit ſei⸗ ner Reiſe zu überzeugen; Hoffmann ward ruhiger, reichte ihm die Hand, ſprach von Wiederſehen, weinte,— was bei ihm eine ſeltene Erſcheinung,— bitterlich, und Hippel ging,— um den Freund nie wieder zu umarmen.
Bald nach dieſem für ihn ſo ſchmerzlichen Ereig⸗ niſſe, richtete ſich Hoffmann jedoch, an der Kraft des eigenen Geiſtes wieder auf. Er fing nämlich an, die vielen Stunden, die er ohne Geſellſchaft und zum Theil in der Nacht ohne Schlaf zubringen mußte, damit auszufüllen, daß er einem Schreiber, der zugleich Krankenwärterdienſte verſah, und des⸗ halb immer um ihn war, dictirte, da nun eine totale Lähmung der Hände ſich eingefunden hattez und dieſe Beſchäftigung ergötzte ihn ſo ſehr, daß er eines Tages gegen Hitzig äußerte:„er wolle es ſich ſchon gefallen gern laſſen, daß er an Händen und Füßen gelähmt bliebe,— wenn er nur die Fähigkeit behielte, fort und fort dietando zu arbeiten.“ So wie etwas vollendet war, wurde es dem erwähnten Freunde zur Durchſicht übergeben, und wenn die⸗


