99 Quelle der launigſten Einfaͤlle er ſich ſelbſt in ſei⸗ ner Huͤlfloſigkeit wurde. Daß ſein Stiefelputzer ihn mit nervigten Faͤuſten in's Bad warf, wie man ein Stuͤck Holz in's Waſſer ſchleudert; daß eine ſorgſame Magd ihn dann, wenn er wieder angekleidet,— was leider bei ſeiner Zuſammen⸗ geſchrumpftheit leicht moͤglich war,— oft, wie ein Kind, auf die Arme nahm und ihn in's Bette trug, und tauſend kleine Ereigniſſe dieſer Gat⸗ tung wurden ihm zu Feſten, und er fuͤhlte ſich gluͤcklich, wenn er ſeinen Freunden taͤglich Neues in dieſem Geſchmack erzaͤhlen und ausmalen konnte“).
*) Eine ſolche Geſchichte hat er auch, noch im letz⸗ ten Monate ſeines Lebens, in der Berliner Zeit⸗ ſchrift: der Zuſchauer No. 71 vom 13. Juni⸗ ab⸗ drucken laſſen. Sie lautet folgendergeſtalt:
Naivetaͤt.
Ein Kvanker, der an einer behavvlichen Schlaf⸗ loſigkeit litt, ſah ſich gendthigt, jede Nacht Jemanden um ſich zu haben, mit dem er nicht allein ſprechen konnte, ſondern der ihm auch in ſeinem gelaͤhmten Zuſtande die noͤthige Huͤlfe leiſtete. So ſollte ein junger Mann bei dem Kranken wachen. Statt aber zu wachen, verfiel derſelbe in einen Schlaf, aus dem er nicht zu erwecken. Der Kranke war in dieſer Nacht von einem beſondern Geiſt froͤhlicher⸗ und zwar muſikaliſcher Laune ergriffen⸗ beſann ſich auf alle moͤgliche Canzonen und Canzonetten, die er ſonſt geſungen, und ſang ſie mit heller Stimme ab.


