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knieen, das ſich mit ihr in die Lüfte erhob. Die Wolken theilten ſich, und wie in einer Strahlen⸗ glorie erſchien Euſebio mit ſehnſuchtsvoll nach Ju⸗ lia ausgeſtreckten Armen. Um ſo zweckmäßiger und ſo wirkungsvoller war dieſe, im Schauſpiel nicht angedeutete Einrichtung, als der eigentliche Schluß deſſelben, nehmlich Enſebiv's und Julia's Verklä⸗ rung als ein Mirakel ſinnlich dargeſtellt wurde, und es ganz in dem Geiſt des Katholizism liegt, die Sinne bei der ſymboliſchen Darſtellung des Ue⸗
berſinnlichen in Anſpruch zu nehmen.— Merk⸗
würdig war es gewiß, wie der Ruf von dem hei⸗ ligen Schauſpiel ſich nach jeder Aufführung mehr verbreitete, und ein Publikum in das Theater zog, das man ſonſt nie darin geſehen hatte. Alte Bür⸗ ger mit ihren Frauen, die es ſonſt für ſündlich ge⸗ achtet hätten, das Theater zu beſuchen, entſchloſſen ſich, hineinzugehen, wobei ſie nicht vergaßen, den Roſenkranz mitzunehmen, und mehrere Bänke des Parterys waren oft mit Geiſtlichen beſetzt. Ueber⸗ haupt fand bei jeder Aufführung eine ſichtbare Rüh⸗ rung und Erhebung ſtatt, und, um ſo mehr iſt dies nur dem Schauſpiel, und nicht vielleicht der glanz⸗ vollen Darſtellung der Schauſpieler zuzuſchreiben, als, außer dem Euſebiv, der trefflich ausgeführt wurde, die übrigen Parthieen, vorzüglich der Gil, gar viel zu wünſchen übrigen ließen. Kurz, die Andacht zum Kreuz erregte eine wahre Andacht,


