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Man ſtelle ſich die entſetzliche Lage des armen Mädchens vor, welche
vertrauensvoll zu dem Freunde ihres Vaters gegangen war und dort einen Mann wie Grip Curtis fand, von deſſen Treuloſigkeit und Rohheit ſie ſich bereits in Boſton überzeugt hatte, und von dem ſie hören mußte, was Gilmore beſtätigte— daß ſie eine Sklavin, und zwar Gilmore's Sklavin ſei, welche Grip Curtis, der ſie von ſeinem Bruder und ihrem Vater ge⸗ erbt, an ihn verkauft habe! 3
„Nun, mein liebes Kind,“ ſagte Gilmore, indem er ihr mit einem höhniſchen Lächeln vertraulich unter das Kind griff,„damit Du Deine Lage, dem Geſetz gegenüber, vollkommen begreifſt, will ich Dir vorleſen, was das Geſetzbuch von Louiſiana über den Gegenſtand ſagt.“ Hier nahm er ein Buch vom Regale herab.„Dies, mein Kind,“ fuhr er fort,„iſt der Code Noin oder Sklavenkodex unſers Staates und es heißt darin fol⸗ gendermaßen:— Da der Stand eines Sklaven nur ein paſſiver iſt, ſo geſtattet ſeine Unterordnung unter den Willen ſeines Herrn— es ſteht da ſeines Kind, aber es bedeutet auch ihres— keine Modiſikationen oder Beſchränkung, ſo daß er ſeinen Herrn und der ganzen Familie deſſelben unbegrenzte Ehrerbietung und unbedingten Gehorſam ſchuldig iſt. Er muß folglich alle Befehle, die er von ſeinem Herrn oder deſſen Angehörigen erhält, ausführen.“ 3
„Das Civilgeſetzbuch,“ fuhr der gelehrte Juriſt fort,„ſpricht ſich ſo ziemlich in demſelben Sinne aus.“ Hier las er aus einem ſtärkeren Buche: —„Ein Sklave iſt Derjenige, der ſich in der Gewalt eines Herrn befindet, dem er eigenthümlich angehört; dieſer Herr darf ihn verkaufen, über ſeine Perſon, ſeine Fähigkeiten und ſeine Arbeit verfüg en; Alles was er thut, beſitzt und erwirbt, gehört ſeinem Herrn“ Das, liebe Kleine, iſt das Geſetz von Louiſiana, und nach dieſem Geſetze biſt Du meine Sklavin. Ich
hoffe, daß Du die Nothwendigkeit einſehen wirſt, Dich in Deine Lage zu B.
ſchicken und meinen Wünſchen zu fügen. Wir Alle,“ fügte er näſelnd hin⸗ zu,„müſſen uns den Rathſchlüſſen der Vorſehung und den Geſetzen des Landes unterwerfen.“
Viele junge Damen in Eliſa's Lage würden geweint und gejammert haben, andere würden von Krämpfen befallen oder in Ohnmacht geſunken, noch andere würden wahnſinnig geworden ſein. Nicht ſo Eliſa. Sie ſprach blos ihren beſtimmten Vorſatz aus, nie durch irgend eine Handlung oder ſtillſchweigende Einwilligung die Anſprüche eines Menſchen, ſie zur Sklavin zu machen, nur im entfernteſten anzuerkennen.
Sie wurde die Nacht über in eine Dachkammer des Hauſes eingeſchloſ⸗ ſen und am folgenden Morgen überredete ſie ein Negermädchen, die ihr ein Stück Brod brachte, das oben erwähnte Billet an Caſſy zu beſorgen. Mr. Gil⸗ more hatte in der Hoffnung, dadurch ihren Stolz zu beugen, ſtreng befohlen, ihr nichts als Brod und Waſſer zu geben. Der ſchändliche alte Wüſtling heurtheilte Andere nach ſich ſelbſt, und glaubte, daß ſchmale Koſt das ſicherſte Mittel ſein würde, um ſie zur Nachgiebigkeit zu zwingen. Da ſie in die Hände von Wölfen in Schafskleidern gefallen war, und nur geringe Ausſicht auf Erlöſung durch menſchlichen Beiſtand hatte, ſo blieb ihr nichts übrig, als den Gott der Waiſen um Schutz und Hilfe anzuflehen.
In der zweiten Nacht ihrer einſamen Haft war es ihr, als ob ihr verſtorbener Vater neben ihr ſtände, und mit dem ihr ſo wohl erinnerlichen freundlichen Lächeln, mit dem Finger in die Ferne zeigend, zu ihr ſagte:
„Fürchte nichts, meine Tochter, der Befreier kommt!“ und als ihre Augen
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