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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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Jahre vorbe halte, obgleich er auf dieſes Recht ausdrücklich verzichte, ſo uͤbertrage er daſſelbe auf Caſſy, welche er als eine ſchon vor vielen Jahren, von ihm losgegebene und ſeitdem von ihm als Haushälterin verwendete freie Perſon bezeichnete, in dem feſten Vertrauen, daß ſie, die ſo lange Mutterſtelle bei Eliſa vertreten, auch in Zukunft fortfahren werde, cbenſo gegen ſie zu handeln. 4

Weiter ſagte das Teſtament von Caſſy nichts und auch von Montgo⸗ mery war darin nur inſofern die Rede, als er einfach für frei erklärt

wurde. Aus einem in dem Packet enthaltenen, beſonderen Dokumente er⸗

gab es ſich jedoch, daß Mr. Curtis bei einem Londoner Bankier die Summe von zwanzigtauſend Dollars niedergelegt hatte, welche Summe nach ſeinem Tode Montgomery zum gemeinſchaftlichen Gebrauch für ihn und ſeine Mutter ausgezahlt werden ſollte. Dieſe Verfügung hatte er offen⸗ bar in der Abſicht getroffen, um die beſchränkenden Beſtimmungen der Ge⸗ ſetze von Louiſiana zu Gunſten der legitimen Verwandten Verſtorbener zu umgehen.

Ferner enthielt das Packet noch die gerichtlich beſtätigte Abſchrift einer förmlichen Freilaſſungsurkunde, welche vor vielen Jahren zu Gunſten Caſſy's vor Notar und Zeugen, zu welchen Letzteren auch Gilmore gehört hatte, ausgefertigt worden war.

Das Teſtament ſchloß mit einer feierlichen Bitte an die beiden Teſta⸗ mentsvollſtrecker, über die Wohlfahrt der Tochter des Teſtators ſorgfältig zu wachen, zu deren Vormündern ſie während der Minderjährigkeit derſelben ernannt wurden.

Wir haben geſehen, wie ſie dieſer feierlichen Aufforderung nachgekom⸗

men waren. Sie waren nichtswürdige Schurken, das ließ ſich nicht leug⸗

nen. Demohngeachtet aber konnte man, wenn nicht als Entſchuldigung, doch als mildernden Umſtand für ihre Ruchloſigkeit anführen, daß die Verſuchung groß war. Jeder von ihnen gewann bei dem Streiche fünf⸗ undſiebzigtauſend Dollars, Gilmore außerdem noch ein ſchönes junges Mädchen, und Grip Curtis die Befriedigung ſeiner Rache gegen die Mutter ſowohl als gegen den Sohn. Und überdies waren es ja nur drei Men⸗ ſchen, die ſie zu Sklaven machen wollten! Waren Gilmore und Grip Cur⸗ tis alſo wohl ſchlechter als viele ihrer Geſinnungsgenoſſen im Norden, welche ohne derartige Verſuchungen und nur in der ungewiſſen Hoffnung, ihren Geſchäftsfreunden im Süden gefällig zu ſein, ſtets bereit ſind, gegen drei Millionen Sklaven aufzutreten, Fluͤchtlinge zu verfolgen und ihren angeblichen Eigenthuͤmern auszuliefern, ohne zu unterſuchen, ob deren An⸗ ſprüche begründeter ſind als die, welche Gilmore und Grip Curtis auf Eliſa geltend machten? Wer deſſen fähig iſt und nicht bei dem bloßen Gedanken daran erröthet, iſt wahrlich nicht beſſer als ein Gilmore und Grip Curtis?

Achtundfunfzigſtes Kapitel.

Die arme Eliſa! Das arme Kind! Selbſt in dieſer Entfernung, durch die ganze Breite der Stadt von ihr getrennt, fühlte Montgomery's Herz das bange Klopfen des ihrigen, er wußte, daß ſie in der höchſten Bedrängniß war, und daher wollte er ſich von uns nicht länger zurüͤck⸗ halten laſſen. Er mußte und wollte ſie befreien.