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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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einen Vater zu finden, von dem er zwar durch ſeine Mutter viel gehört, deſſen er ſelbſt ſich aber nicht mehr erinnern konnte, da er zu gleicher Zeit die furchtbare Lage Eliſa's, ſeiner Spielgefährtin, ſeiner Jugendfreundin und Vertrauten, und jetzt ſeiner Geliebten, ſeiner Braut erfuhr!

Wie ihm das Blut in die Wangen ſtieg! Wie ihm bei dem Gedanken an ihre Gefahr und ihre Todesangſt die dunklen Augen funkelten! Wir konnten ihn nur mit Mühe bei uns zurückhalten und dies nur durch die Verſicherung, daß Colter bereits Spione um das Haus aufgeſtellt habe, ſo daß wir Eliſa folgen konnten, wenn ſie entfernt werden ſollte. Er kenne, ſagte Colter, Gilmore's Haus und deſſen Umgebungen vollkommen; er ſei auch mit der Dienerſchaft bekannt, da ihm Gilmore's ſchwarze Haushälterin in ſeiner Kindheit ſehr gewogen geweſen ſei. Er hoffe daher, auf irgend eine Art noch in derſelben Nacht in das Haus dringen und Eliſa be⸗ freien zu können.

Die Schurkerei des Grip Curtis und ſeines Spießgeſellen Gilmore war jetzt außer allem Zweifel. Als Montgomery vor etwa einem Jahre zum letzten Male von New⸗Orleans abreiſte, um ſein Geſchäft in New⸗York zu errichten, hatte der verſtorbene Mr. Curtis ihm ein verſiegeltes Packet mit der ſchriftlichen Weiſung eingehändigt, es, ſobald ſein Teſtament vor Gericht eröffnet und beſtätigt ſei, oder im Fall das Teſtament nicht vorgelegt werden ſollte, dreißig Tage nach ſeinem Tode zu erbrechen. Mr. Curtis ſchien die Rechtſchaffenheit ſeines Bruders und Gilmore's keinen Augenblick bezweifelt und keineswegs gefürchtet zu haben, daß ſie ſein Vertrauen mißbrauchen könnten, um ſeine Abſichten zu vereiteln und ſein Vermögen zu unterſchla⸗ gen. Er hatte dieſe Vorſichtsmaßregel offenbar nur deshalb getroffen, um ſeine Erben gegen alle Eventualitäten ſicher zu ſtellen.

Als dieſes Packet, welches Montgomery jetzt vorlegte, geöffnet wurde, fanden wir, daß es ein in vollkommen rechtsgültiger Form ausgefertigtes Duplikat des Teſtaments enthielt, wodurch Mr. Curtis Eliſen, die er dar⸗ in als ſeine natürliche Tochter anerkannte, den vierten Theil ſeines ganzen, hauptſächlich aus Grundſtücken in New⸗Orleans beſtehenden Vermögens vermachte, welches in dem Teſtamente auf zweimalhunderttauſend Dollars geſchätzt war. Dieſer vierte Theil war Alles, was er ihr nach den Geſetzen von Louiſtana geben konnte, während die übrigen Dreiviertel ſeinem Bruder zuftelen, der nebſt Gilmore zu ſeinem Teſtamentsvollſtrecker ernannt war. Aber mit dieſem großen Erbtheil nicht zufrieden, hatte ſich der unwürdige Bruder mit Gilmore verſchworen, nicht nur die verwaiſ'te Tochter ſeines Bruders um ihren Antheil zu betrügen, ſondern ſte auch, um ihr den Mund zu ſtopfen und allen Reklamationen vorzubeugen, zur Sklavin und Konkubine zu machen, und Gilmore ſollte, außer einem Antheile von ihrem Vermögen, ihre Perſon als Honorar für ſeine Bemühungen erhalten.

Das Teſtament beſagte, daß Mr. Curtis ſich zu verſchiedenen Malen vergeblich bemüht hatte, die Einwilligung des Kirchſpielrichters und dreier Viertheile der Polizei⸗Jury zur Freigebung Eliſa's zu erlangen, wie es das Geſetz für Sklaven unter dreißig Jahren vorſchrieb, denn das ehren⸗ werthe Collegium hatte den Umſtänd, daß ſie ſein einziges Kind war, nicht für einen genügenden Beweggrund gelten laſſen. Ferner hieß es darin, daß er ſie in der Hoffnung und Abſicht ſie frei zu machen, zu ihrer Er⸗ ziehung nach Boſton geſendet habe, und daß er ſie hiermit, ſoweit es in ſeiner Macht ſtehe, für frei erkläre. Falls das Geſetz aber ihm und ſei⸗

nem Vermögen ein Recht auf die Dienſte Eliſa's bis zu ihrem dreißigſten