Druckschrift 
Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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der Abſtammung von einem Neger, wenn die übrigen Vorfahren weiß ſind, der afrikaniſche Schandfleck in den Augen des Geſetzes; die Perſonen ſolcher Abſtammung gehen in die Maſſe der weißen Bürger über und erlangen alle Rechte derſelben, wenn auch einer ihrer Vorfahren vierten Grades vom reinſten Negerblute geweſen iſt. In mehreren andern Staaten, unter denen auch Louiſiana, iſt jedoch der Negermakel unauslöſchlich. Die ge⸗ ringſte, unbemerkbarſte Spur von afrikaniſchem Blute, wenn ſie auch noch ſo ſehr mit dem beſten Blute der Nation verdünnt iſt, genügt, um den, in deſſen Adern es fließt, in die Klaſſe der freien Farbigen zu ſtellen, die ſich, wie oben geſagt, nicht herausnehmen dürfen, ſich mit den Weißen auf gleiche Stufe zu ſtellen, ſondern ihnen bei jeder Gelegenheit nachgeben und ſich bei Kerkerſtrafe ſtets ehrerbietig gegen ſie benehmen müſſen. Wenn da⸗ her Montgomery als Sklave feſtgenommen werde, und ſich zur Wahrung ſei⸗ ner Freiheit herausnehmen ſollte, unehrerbietig mit einem von den Häſchern zu reden und wohl gar das handgreifliche Verfahren, welches er ſich ſchon einmal gegen Mr. Grip Curtis erlaubt hatte, zu wiederholen, ſo würde er, ſelbſt wenn es uns gelänge, ſein Recht auf die Freiheit geltend zu machen, ſich dennoch ſehr unangenehmen Folgen ausſetzen.

Wir mußten daher vor Allen dafür ſorgen, daß Montgomery ſeinen Verfolgern nicht in die Hände fiel. Konnten wir auch Eliſa aus den Klauen Gilmore's befreien, ſo war dies in ſo fern gut, als wir dann ihre Anſprüche auf die Freiheit nachdrücklicher geltend machen konnten.

Montgomery hatte glücklicherweiſe kurz vor ſeiner Abreiſe von New⸗ York an ſeine Mutter geſchrieben und ihr den Namen des Packetſchiffes mitgetheilt, mit welchem er abſegeln wollte, und dieſen Brief fanden wir auf der Poſt vor, als wir die Expedition des Advokaten verließen.

Colter miethete augenblicklich ein Boot, um Montgomery entgegenzu⸗ fahren und ihm ein Billet von ſeiner Mutter zu überbringen. Die Ueber⸗ fahrt des Packetſchiffes von New⸗York war ungewöhnlich ſchnell gegangen. Es befand ſich bereits einige Meilen unterhalb der Stadt. Montgomery verließ es der in dem Briefe enthaltenen Warnung gemäß auf der Stelle, um zu Lande nach New⸗Orleans zu kommen, und erreichte noch an dem⸗ ſelben Abend ein abgelegenes, ſtilles Haus in der Vorſtadt, welches Colter für mich und Caſſy gemiethet hatte und deſſen Adreſſe in dem Briefe an⸗ gegeben war.

Die Vorſichtsmaßregel, welche wir ergriffen hatten, war wirklich ein Glück. Mr. Grip Curtis hatte, wie wir ſpäter erfuhren, in New⸗York alle Schritte Montgomery's durch einen Spion beobachten laſſen, und da er ebenfalls den Namen des Schiffes, auf welchem Jener die Ueberfahrt machte, erfahren hatte, ſo kam er kurz nach Montgomery's Entfernung mit einer Bande von Helfershelfern an Bord, um ſich ſeiner zu bemächtigen.

So habe ich denn auch Dich wieder, mein Sohn! Wenigſtens biſt Du für den Augenblick vor der ſchon gekauften Peitſche des rachedürſtenden Schurken ſicher, der Dich als ſein Eigenthum beanſprucht! Meinen Sohn, mein Kind will er mir entreißen den ſchönen Jüngling, der jetzt in der Fülle männlicher Schönheit prangt und den jeder Vater mit Stolz ſeinen Sohn nennen würde!.

Das Wonnegefühl, mit welchem ich den ſo lange Verlornen an meine Bruſt drückte, läßt ſich mit Worten nicht beſchreiben.

Aber wie peinlich war für ſein jugendliches Herz der Augenblick des für mich ſo freudigen Zuſammentreffens! Was war es in der That für ihn,