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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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ihren Adern habe, und daß ſie weder des verſtorbenen Curtis eheliches Kind noch ſeine Erbin, ſondern nur die Tochter einer Sklavin ſei.

Die Mütter der Schulkameradinnen Eliſa's waren höchlich entrüſtet daruͤber, ganz beſonders die Tochter eines trunkſüchtigen Lichterziehers, die in ihrer Jugend den Beſitzer eines kleinen Spezerei⸗ und Brantweinladens geheirathet hatte. Dieſer hatte ſpäter ein Deſtillationsgeſchäft angefangen, ſich dadurch ein großes Vermögen erworben, ein Haus in Beacon⸗Street gekauft, und da er eben ſo wie ſeine Frau hoch hinaus wollte, machte er großen Aufwand, um ſich auf dieſe Art in die vornehmen Zirkel von Boſton einzudrängen. Dieſe ariſtokratiſche Dame erklärte es für eine Sünde und Schande, und ſie fand eine Menge gleichgefinnter Seelen daß man Leute von guter Familie ſo abſcheulich betrogen und eine farbige Dirne unter ihre wohlgeborenen Töchter eingeſchwärzt habe. Es gebe ja in Bel⸗ knap⸗Street eine für farbige Mädchen eingerichtete Schule, warum ſei ſie nicht dorthin geſchickt worden?

Für die naturgetreue Zeichnung dieſes Portraits von Mrs. Highflyer ſo hieß nämlich dieſe vornehme Boſtoner Dame hat ebenfalls Eliſa einzuſtehen. Das ſchalkhafte Mädchen verſtand es vortrefflich, die Schwächen und Fehler Anderer in's Lächerliche zu ziehen, und fand großes Vergnügen am Karrikaturenzeichnen.

Niemand ſchien vollſtändiger mit Mrs. Highflyer übereinzuſtimmen, als Mr. Agrippa Curtis, obgleich er den Urſprung Eliſa's von jeher ge⸗ nau gekannt hatte, und ſie ſelbſt in die Boſtoner Geſellſchaft eingeführt und in die ariſtokratiſche Erziehungsanſtalt gebracht hatte. Er ſagte, daß die Rückſichten gegen das Andenken ſeines verſtorbenen Bruders, für deſſen Erben er ſich ausgab, ihm nicht geſtatteten, ſich ausführlich über ſein ſon⸗ derbares Benehmen und über die Einführung eines ſo gemeinen Mädchens in die vornehme Geſellſchaft von Boſton offen auszuſprechen; ſein Bruder ſei in vieler Beziehung ein ganz wunderlicher, räthſelhafter Mann geweſen. Aber er nahm keinen Anſtand, ſich auf die ſchonungsloſeſte Weiſe 95

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gen die arme Eliſa auszuſprechen, als ſie zu ihm kam und ihn um ſeinen Schutz und Rath erſuchte; ja, er ging ſo weit, daß er ſie eine gemeine Betrügerin nannte und ihr befahl, ſein Haus zu verlaſſen.

Der Beſitzer des Koſthauſes, in welchem ſie wohnte, untenließ in das allgemeine Zetergeſchrei einzuſtimmen, denn beſonders gängerinnen denn die Männer ſchienen nicht ſo viel gegen ſie einzu⸗ wenden zu haben waren heftig erbittert und drohten auszuziehen, wenn ſie nicht fortgeſchickt würde. Das arme Mädchen hätte vielleicht auf der

Straße ſchlafen müſſen, wenn ſie nicht von einer Putzmacherin, der ſie fruͤher oft Gefälligkeiten erwieſen hatte, auf die Gefahr hin, alle ihre vor⸗ nehmen Kunden zu verlieren, mit nach Hauſe genommen worden wäre. Sie ſchrieb ſofort nach New⸗York an Montgomery, der ihr unver⸗ züglich zu Hilfe eilte. Er traf zufällig in State⸗Street zur Börſenzeit mit Mr. Agrippa Curtis zuſammen und ſprach ſich gegen ihn in ziemlich derben Ausdrücken über ſein Benehmen aus. Der Gentleman denn für einen 3 ſolchen galt er in Boſton, trotz des allgemein verbreiteten Gerüchts, daß 1 das Haus Curtis, Sawin, Byrne u. Co., dem er angehörte, durch geheime Betheiligung an dem braſilianiſchen Sklavenhandel den Grund zu ſeinem Vermögen gelegt habe, der Gentleman erwiderte ihm höchlich erzürnt, daß er keine Luſt habe, ſich den Tert leſen zu laſſen von einem entlaufenen Nigger, dem Sohne einer eine ſchmeichelhafte Anſpielung auf Mont⸗