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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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Viertes Kapitel.

Ich war ungefähr ſiebzehn Jahre alt, als meine Mutter von einem Fieber ergriffen wurde, welches einen tödlichen Ausgang nahm. Sie hatte ſchon frühzeitig eine Ahnung ihres Schickſals und ließ mir, ehe die Krank⸗ heit noch große Fortſchritte gemacht hatte, ſagen, daß ſie mich zu ſehen wünſche. Ich fand ſie im Bett. Sie bat die Wärterin, uns allein zu laſſen und ſagte mir, daß ich mich an ihrem Bette niederſetzen möge. Nachdem ſie mir ihre Todesahnungen mitgetheilt hatte, fügte ſie hinzu, daß ſie es nicht für freundlich gegen mich halten könne, wenn ſie die Welt verlaſſe, ohne mir ein Geheimniß entdeckt zu haben, welches mir ſpäter vielleicht von einigem Nutzen werden könne. Ich bat ſie fortzufahren und wartete mit Ungeduld auf die verſprochenen Mittheilungen. Sie begann mit einer kurzen Geſchichte ihres Lebens. Ihre Mutter war eine Sklavin geweſen und ihr Vater ein gewiſſer Oberſt Randolph, ein Sprößling einer der vornehmſten virginiſchen Familien. Man hatte ſie zur Kammerjungfer erzogen und bei der Vermählung Oberſt Moore's war ſie von ihm gekauft und ſeiner Gemahlin geſchenkt worden. Damals war ſie noch ein ganz junges Maädchen geweſen. Als ſie älter und ihre Schönheit auffallender wurde, hatte ſie große Gunſt in den Augen ihres Herrn gefunden; ſie er⸗ hielt ein nettes, kleines, einſtöckiges Haus ein Arrangement, welches eben ſo ſehr auf die Bequemlichkeit des Oberſten wie auf ihre eigene be⸗ rechnet war, und wenn man auch zuweilen einige leichte Nadelarbeiten von ihr verlangte, ſo hatte ſie doch fortan, da Niemand der Favoritin des Herrn zu nahe treten wollte, ein ſorgenfreies und müßiges, aber, wie ſie mir ſagte, auch ein ſehr unglückliches Leben geführt.

Einen Theil ihrer unglücklichen Lage hatte ſie ſich ſelbſt zu verdanken. Die überlegene Miene, welche ſie im Verkehr mit anderen Dienſtleuten an⸗ nahm, machte ſie bei denſelben allgemein verhaßt; ſie benutzten jede Ge⸗ legenheit, um ſie zu kränken und zu ärgern, und ſie war für alle weib⸗

lichen Kränkungen eben ſo empfindlich wie irgend eine Modedame. Wenn

ſte aber auch auf ihre Schönheit und die Gunſt ihres Herrn ſtolz war, ſo beſaß ſie doch keinen zänkiſchen Charakter, und ihr thoͤrichter Stolz ent⸗ ſprang in ihr, wie ein ähnliches Gefühl in meinem Innern, einem grund⸗

loſen, wenn auch gewöhnlichem Vorurtheile. Unſere Lage war in der That

ſo ungleich beſſer als die der anderen Sklaven, daß wir uns natürlicher⸗ weiſe für ein gewiſſermaßen höheres Geſchlecht hielten. Ohne Zweifel war es unter dem Einfluß dieſes Gedankens, daß meine Mutter, nachdem ſie mir geſagt hatte, wer mein Vater ſei, mit einer ſelbſtgefälligen Miene, welche ſelbſt ihre Fieberſchauer nicht zu unterdrücken vermochten, lächelnd bemerkte, daß ich ſowohl von väterlicher, wie von mütterlicher Seite das beſte Blut von Virginien das Blut der Randolph's und Moore's in den Adern habe.

Dieſe Mittheilungen meiner Mutter machten Anfangs nur geringen Eindruck auf mich. Meine hauptſächlichſte Beſorgniß galt ihr, denn ſie war ſtets die zärtlichſte und liebevollſte Mutter geweſen. Ihre Krankheit machte ſchnelle Fortſchritte und am dritten Tage hörte ſie auf zu leben. Ich beweinte ſie mit dem aufrichtigſten Schmerze. Die erſte Heftigkeit

deſſelben ging zwar bald vorüber; aber mein Geiſt erlangte ſeine frühere

Stimmung nicht wieder. Die gedankenloſe Heiterkeit, welche bis jetzt eine

Art von Sonnenſchein auf mein Leben geworfen hatte, ſchien mich zu vern