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Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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wie ſeine andern Sklaven behandelt. Er kann ſie zur Arbeit auf das Feld treiben oder dem Meiſtbietenden in einer Auktion verkaufen; wenn er es ſich aber einfallen läßt, ihnen auf irgend eine Weiſe das geringſte

Zeichen väterlicher Liebe zu geben, ſo kann er gewiß ſein, daß ſein Ruf allgemein von der Zunge der Verleumdung beſtürmt, daß alle ſeine Schwä⸗ chen und Fehler ſorgfältig aufgeſucht, boshaft vergrößert und mit Oſten⸗ tation an's Licht gezogen werden, daß man ihn moraliſch Spießruthen laufen und bei allen Leuten der beſſern Klaſſen als den erbaͤrm⸗ lichſten, niedrigſten und verächtlichſten Menſchen darſtellen wird.

Oberſt Moore war ein viel zu kluger Mann, um ſich etwas derartigem auszuſetzen. Er hatte ſtets die beſte Geſellſchaft frequentirt, und wenn er auch in politiſcher Beziehung ein Demokrat ſein mochte, ſo war er doch jeden⸗ falls in ſeinen Gefühlen ein vollkommener Ariſtokrat. Natürlich empfand er bei dem Gedanken an die Verletzung der von der Ge ſich bewegte, anerkannten Convenienz, daſſelbe Entſetzen, wie eine Mode⸗ dame vor Baumwollenſpitzen oder ein Stutzer vor einer eiſernen Gabel. Unter dieſen Umſtänden wird ſich Niemand wundern, daß ich wenigſtens inſoweit als die Sache den Oberſt Moore betraf mich immer noch in Ungewißheit darüber befand, wer mein Vater ſei.

Wenn dies aber auch für mich ein Geheimniß war, ſo blieb es doch Oberſt Moore's Freunden und Gaͤſten nicht verborgen. Selbſt wenn es nichts Anderes verrathen hätte, würde ſchon die auffallende Aehnlichkeit zwiſchen uns jedenfalls dieſe Wirkung gehabt haben, und wiewohl dieſelbe Rückſicht auf die Convenienz, welche den Oberſt Moore verhin⸗ derte, jemals von der Verwandtſchaft Notiz zu nehmen, auch die Zungen ſeiner Gäſte band, ſo erkannte ich doch, nachdem ich das Geheimniß er⸗ fahren hatte, ſofort den wahren Sinn gewiſſer ſpöttelnder Scherze und ent⸗ fernter Anſpielungen, welche ſich zuweilen gegen das Ende eines Diners diejenigen Gäſte entſchlüpfen ließen, denen der Wein Witz und Wahrhaf⸗ tigkeit eingeflößt hatte. Dieſe Ausfälle, deren Bedeutung ich nie verſtehen konnte, wurden von Oberſt Moore und dem nüchterneren Theile der Ge⸗ ſellſchaft ſtets ſchlecht aufgenommen und hatten häufig die Folge, daß mir und den übrigen Dienern der Befehl ertheilt wurde, das Zimmer zu ver⸗ laſſen. Weshalb dies jedoch geſchah, war mir, bis ich den oben erwähnten Schlüſſel erhielt, ſtets ein Raͤthſel geblieben.

Ich hätte leicht von meinen Dienſtgenoſſen das Geheimniß erfahren können, welches mein Vater nicht verrathen wollte und meine Mutter nicht

zu enthüllen wagte. Zu jener Zeit hegte ich aber, gleich den meiſten hel⸗ leren Sklaven, eine gewiſſe Verachtung gegen meine dunkleren Unglücks⸗ brüder; ich hielt mich ſo viel als möglich von ihnen fern und verſchmaͤhte es, mit ſolchen umzugehen, die ein wenig dunkler waren als ich. Aber ich muß meinem Vater in ſo weit Gerechtigkeit widerfahren laſ⸗ ſen, daß ich ihm die Gefühle eines Vaters nicht gänzlich abſppeche. Wenn er auch die Anſprüche, die ich auf ihn beſaß, nie im Mindeſten aner⸗ kannte, ſo leugnete er doch in ſeinem Herzen ihre Gültigkeit nicht völlig ab. Seine Stimme hatte, wenn er mit mir ſprach, einen Ausdruck gütiger Nachſicht, ſeine Miene eine Freundlichkeit, welche, obgleich er ſie gegen einen Jeden bewies, bei mir noch deutlicher hervorzutreten ſchien. Jedenfalls ge⸗ lang es ihm, ſich meine Zuneigung zu erwerben, denn obgleich ich ihn nur als meinen Herrn betrachtete, hatte ich ihn doch aufrichtig lieb.

ſellſchaft, in der er