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Man wird dies für geringfügige Neckereien halten. Allerdings waren ſie dies, aber es koſtete mir Kämpfe genug, ehe ich ſie mit leidlicher Ge⸗ duld ertragen lernte. Ich wurde jedoch dafür einigermaßen durch das Vergnügen entſchädigt, welches es mir machte, hinter dem Stuhe meines Herrn den Geſprächen der Geſellſchaft zuzuhören,— ich meine ihren Ge⸗ ſprächen, ehe ſie zu trinken anfingen, denn jedes Diner endete mit einem allgemeinen Zechgelage.
Oberſt Moore hielt offene Tafel und hatte faſt täglich einige von ſei⸗ nen Freunden, Verwandten oder Nachbarn zu Tiſche; er war ſelbſt ein gewandter und höchſt einnehmender Redner, ſeine Stimme war ſanft und wohlklingend und er druckte ſich ſtets mit großer Richtigkeit und Lebhaf⸗ tigkeit aus. Viele von ſeinen Gäſten waren gebildete Männer, und ob⸗ gleich die Politik ſtets den Hauptgegenſtand der Unterhaltung bildete, ſo kamen doch gelegentlich auch manche andere Dinge zur Sprache. Oberſt Moore war, wie bereits bemerkt, ſelbſt ein warmer Demokrat— damals ſagte man Republikaner— denn der Name Demokrat wurde, wie lieb auch die Amerikaner ſpäter den Ausdruck gewonnen haben, doch zu jener Zeit als ein Vorwurf betrachtet. Der größte Theil von Denen, welche Oberſt Moore's Haus frequentirten, hegten über politiſche Gegenſtände die näm⸗ lichen liberalen Anſichten. Ich hörte ihren Unterredungen begierig und erfreut zu, und wenn ich ſie von gleichen Rechten ſprechen und ſich gegen Tyrannei und Unterdrückung auslaſſen hörte, ſo erwachten Empfindungen in mir, deren Sinn ich kaum verſtand. Ich machte zu jener Zeit keine perſönliche Anwendung von dem, was ich hörte und fühlte. Es war nur die abſtrakte Schoͤnheit der Freiheit und Gleichheit, in die ich mich ver⸗ liebte. Ich ſympathiſirte mit den franzöſiſchen Republikanern und meine Entrüſtung galt nur den öſterreichiſchen und engliſchen Tyrannen. Ich hatte noch nicht über mich ſelbſt denken gelernt. An das, was ich um mich her vorgehen ſah, war ich von Kindheit an gewöhnt und es ſchien mir der ſeſtgeſtellte Lauf der Dinge zu ſein. Wenn auch als Sklave geboren, hatte ich bis jetzt doch noch kaum etwas von dem Elend dieſes unglück⸗ ſeligen Zuſtandes erfahren. Ich war glücklich, einen jungen Herrn wie der meine zu beſitzen, für den ich in vieler Beziehung mehr ein Geſpiele als ein Diener war. Durch ſeine Gunſt und den Einfluß meiner Mutter, welche über Oberſt Moore immer noch viel vermochte, wurde mir größere Nachſicht zu Theil, als irgend einem andern Diener auf dem Gute. Wenn ich meine Lage mit der der Feldarbeiter verglich, ſo mußte ich mich für wahrhaft glücklich halten, und obwohl ich zuweilen Kränkungen ausge⸗ ſetzt war, welche mir jetzt ſchon einen Vorgeſchmack des bittern Kelches gaben, den ein jeder Sklave leeren muß, ſo erhielten mich meine Jugend und die ſorgloſe Lebhaftigkeit meines Charakters bis jetzt noch aufrecht.
Damals wußte ich nicht, daß Oberſt Moore mein Vater ſei. Dieſer verdankte einen nicht unbeträchtlichen Theil ſeines hohen Anſehens einer ſtrengen Beachtung aller der conventionellen Gebräuche, welche ſo oft die Stelle der Moral uſurviren. Einige von ihnen, welche in An rika herr⸗ ſchen, ſind ziemlich merkwuͤrdig. Man hält es z. B. keineswegs für ein Verbrechen, wenn ein Herr der Vater jedes auf ſeiner Pflanzung geborenen Sklaven iſt; und doch gilt es für eine ſehr ſtarke Verletzung des Anſtandes, ja beinahe fuͤr eine unverzeihliche Sünde, wenn ein ſolcher Vater jemals eines von ſeinen unglücklichen Kindern aanerkennt, oder von ihm Notiz nimmt. Die gebicteriſche Sitte verlangt, daß er ſie in jeder Beziehung


