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legenbeit bot, dem Geiſte Maſter James' einprägte. Wir fanden, daß dieſes Verfahren einen ausgezeichneten Erfolg hatte. Weder der Hofmeiſter noch
Oberſt Moore hatten etwas dagegen, denn Letzterer wünſchte weiter nichts,
als daß ſein Sohn Leſen lernen möge und der Hofmeiſter wälzte gern den mühſamſten Theil ſeiner Arbeit auf meine Schultern.
Bis dahin hatte ſich noch Niemand von den barbariſchen, abſcheu⸗ lichen Geſetzen träumen laſſen, welche kein Gegenſtück in irgend einem an⸗ dern Geſetzbuche haben und eine ewige Schmach Amerika's ſein werden, indem ſie es zu einem mit Geld⸗ und Kerkerſtrafen zu belegenden Ver⸗ brechen machen, einem Sklaven das Leſen beizubringen.
Ich lernte es bald und machte in Kurzem Maſter James zu einem faſt eben ſo guten Leſer wie ich es war. Da er an häufigen Krankheits⸗ anfällen litt, welche ihn an's Haus feſſelten und ihn unfähig machten, ſich den lärmenden Spielen hinzugeben, die bei den Knaben hauptſächlich beliebt ſind, ſo kaufte ihm ſein Vater eine große Sammlung von ſeinem Alter angemeſſenen Büchern, welche wir zuſammmen zu leſen pflegten und an denen wir großes Vergnügen fanden. 3
Auch bei dem weiteren Fortgange der Studien meines jungen Herrn blieb ich ſein Genoſſe, denn wenn auch das Syſtem, mir zuerſt den Unter⸗ richt zu geben, damit ich ihm denſelben wieder mittheilen könne, nicht weiter befolgt wurde, ſo ward es mir doch, da ich Lernbegierde und eine ſchnelle Auffaſſungsgabe beſaß, nicht ſchwer, von Maſter James täglich den Inhalt ſeiner Lektionen zu erfahren. Ueberhaupt hatte er, wenn ihm eine Schwierigkeit darin aufſtieß, die Gewohnheit, ſich an mich zu wenden, um von mir Beiſtand zu erbitten.
Auf dieſe Weiſe lernte ich die Rudimente des Rechnens und der Geo⸗ graphie und ſelbſt die Anfangsgründe des Lateiniſchen. 3
Ich bemühte mich jedoch ſorgfältig, dieſe Kenntniſſe zu verbergen, da mich ſelbſt der Umſtand, daß ich leſen konnte, obgleich er meine Wichtig⸗ keit unter der Dienerſchaft erhöhte, doch häufigen Spötteleien ausſetzte, gegen die ich ſehr empfindlich war. Man betrachtete mich nicht,— wie wahrſcheinlich jetzt die Sklaven, welche leſen können und einige Spuren von Verſtand und Talent zeigen, betrachtet werden,— als ein entſetzliches
Ungeheuer, welches Krieg und Empörung athmet und darauf ſinnt, allen weißen Leuten in Amerika die Kehle abzuſchneiden; man ſah mich eher als eine Art von Wunderthier an,— etwa wie eine dreibeinige Henne oder ein Schaf mit vier Augen, als ein Ding, welches zur Unterhaltung der Fremden producirt und gezeigt zu werden verdiente. Ich wurde häufig bei Tiſchgeſellſchaften, nachdem der Madeira reichlich die Runde gemacht hatte, aufgefordert, Artikel aus den Zeitungen vorzuleſen, um die trunkenen Gäſte meines Herrn zu unterhalten, und ich wurde durch alle möglichen abge⸗ ſchmackten, lächerlichen und impertinenten Fragen, welche ich bei Strafe, ein Weinglas, eine Flaſche oder einen Teller an den Kopf geworfen zu erhalten, beantworten mußte, verblüfft, verwirrt und gepeinigt. Beſonders Maſter William war beſtrebt, ſich dadurch, daß er mich zur Zielſcheibe ſeines Witzes machte, für das Vergnügen zu entſchädigen, welches ihm die unbehinderte Anwendung ſeiner Peitſche gegen mich bereitet haben würde. Er war ungemein ſtolf auf den Svitznamen des„gelehrten Niggers“, den er erfunden hatte und beſtändig gegen mich gebrauchte, wiewohl Gott weiß, daß meine Wange nur wenig dunkler war als die ſeine und ich überzeugt bin, daß ich eine weißere Seele hatte igie er.
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