Druckschrift 
Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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ich auch von dem, was er ſagte, nur wenig oder gas nichts verſtand, ſo verfehlte doch das Feuer und die Beredtſamkeit ſeiner Reden nicht, einen Eindruck auf mich zu machen. Die Menſchenrechte und die Rechte der menſchlichen Natur waren Ausdrücke, welche ich, obgleich ich zu jener Zeit nicht das Mindeſte von ihrer Bedeutung ahnete, doch ſo oft wiederholen hörte, daß ſie ſich meinem Gedächtniß unverlöſchlich einprägten und in ſpäteren Jahren häufig in meine Erinnerung zurückkehrten.

Oberſt Moore war jedoch kein bloßer Schwätzer, er ſtand im Rufe ſeinen Grundſätzen gemäß zu handeln und wurde allgemein als ein Mann von der größten Chrenhaftigkeit und Rechtſchaffenheit betrachtet. Mehrere vielverſprechende junge Männer, welche ſpäter zu hohen Stellungen gelangten, hatten ſeiner Protection und ſeinem Beiſtande ihre erſte Erhebung zu ver⸗ danken. Er ſchlichtete die Hälfte der Streitigkeiten in der Grafſchaft und ſchien niemals heitererer Laune zu ſein, als wenn er einen Prozeß oder ein Duell verhinderte und dadurch einen zufälligen und vielleicht geringfügigen Streit abhielt, in einen bittern, wo nicht toͤdtlichen Zwiſt auszuarten.

Die Güte ſeines Herzens, ſeine thätige, ſtets bereite Menſchenfreund⸗ lichkeit und ſeine Theixlnahme für das Unglück waren Charakterzüge, von denen Jedermann ſprach.

Hätte ich mir einen beſſern Vater wünſchen können, wenn es mir erlaubt geweſen wäre, mir ſelbſt einen zu wählen? Aber nach den Geſetzen und Gebräuchen von Virginien beſtimmt nicht der Rang und Stand des Vaters, ſondern der der Mutter die Stellung des Kindes und leider war meine Mutter eine Konfubine und Sklavin!

Indeſſen würden Diejenigen, welche ſie zum erſten Male ſahen, ſchwerlich geglaubt oder gern vergeſſen haben, daß ſie von einer unedeln und ent⸗ würdigten Race abſtammte. So beſcheiden ihr Stand auch ſein mochte, konnte ſie ſich doch wenigſtens des Beſitzes der glänzendſten Schönheit rühmen. Die Spur afrikaniſchen Blutes, die ihre Adern noch enthielten, war deutlich zu ſehen, aber die Färbung, welche ſie ihrer Haut ertheilte, hatte nur die Wirkung, daß ſie der Röthe ihrer Wangen eine intenſivere Färbung verlieh. Ihr langes, ſchwarzes Haar, das ſie mit kunſtvoller Einfachheit zu ordnen verſtand, und das⸗ Feuer ihrer dunkeln Augen, die mit, jedem Wechſel des Gefühls ihren Ausdruck veränderten, entſprachen ihrer Hautfarbe vollkommen und vervollſtändigten ein Bild, das vielleicht in Spanien oder Italien ſeines Gleichen finden konnte, für welches man aber unter den blaſſen ſchmachtenden Schönheiten des öſtlichen Virginiens vergebens eine Rivalin geſucht haben würde.

Ich beſchreibe ſie eher wie ein Anbeter, als wie ein Sohn. In der That war aber auch ihre Schönheit ſo ungewöhnlich, daß ſie meine Auf⸗ merkſamkeit erregte, als ich noch ein Kind war, und ich habe ſie oft ſtun⸗ denlang faſt mit der Zärtlichkeit eines Liebenden betrachtet, wenn ſie mich auf ihrem Schooße liebkoſte und Thränen und Lächeln auf ihrem Geſicht abwechſelten, deſſen Ausdruckſich ſtets veränderte, aber bei jeder Veränderung ſchön blieb. Sie war die liebevollſte Mutter, die man ſich denken konnte; das Gemiſch von Zärtlichkeit, Kummer und Freude, womit ſie mich ſtets zu betrachten ſchien, erhöhte ihre Schönheit, und wahrſcheinlich war es dies, was meine Aufmerkſamkeit ſo früh ſchon mit ſolcher Stärke erregte.

Aber ich war keineswegs ihr einziger Bewunderer. Ihre Schönheit war in jenem ganzen Theile des Landes beruhmt und man hatte den Oberſt Moore oftmals durch das Anerbieten ſehr hoher Preiſe zu verleiten geſucht,

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