Druckschrift 
Der weiße Sklave, oder Denkwürdigkeiten eines Flüchtlings : eine Geschichte aus dem Sklavenleben in Virginien u.s.w. ; (Seitenstück zu Onkel Tom's Hütte) / hrsg. von R. Hildreth. Nach der 17. amerikan. Aufl. aus dem Engl.
Entstehung
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inmitten von Despoten wagt er es, die frohe Kunde der Freiheit zu pri⸗ digen; mitten in der Schule der Unterdrückung erhebt er ſich fühn 6 Vertheidiger der Menſchenrechte!. 3 Er reißt die Wälle des Vorurtheiles nieder; er zerſtört die Trugbilder der Habſucht und des Stolzes, er widerruft die Verordnungen, wel obgleich ihnen jede Spur von Gerechtigkeit mangelt, frevleriſch heiligte Form des Geſetzes uſurpirt haben! Er reißt dem Zuchtherrn Peitſche aus der Hand; er zerbricht für immer die Feſſeln des Sklaven An die Stelle erzwungener Mühe und Plage für Andere ſetzt er der frohen Fleiß, welcher für ſich ſelbſt arbeitet! Die ganze Natur ſcheint übe die Veränderung zu jubeln. Die nicht mehr durch die Thränen und da Blut ihrer Kinder unfruchtbar gemachte Erde ſpendet ihre Schätze mit ver⸗ doppelter Freigebigkelt; das Daſein hört auf eine Qual zu ſein und zu leben iſt nicht mehr für Millionen die Gewißheit, elend zu ſein. Auserwaͤhltes Werkzeug der Gnade! erhabener Befreier! komm! komm bald!. Komm! damit nicht, wenn Dein Erſcheinen ſich⸗ verzögern ſollte, an Deiner Stelle ein Andrer auftrete, der zugleich Befreier und Rächer ſein wird!

Zweites Kapitel.

Die Grafſchaft, in welcher ich geboren bin, war damals und iſt vielleicht noch jetzt eine von den reichſten und bevölkertſten im öſtlichen Virginien. Mein Vater, Oberſt Charles Moore, war das Haupt einer der bedeutendſten und einflußreichſten Familien in jenem Theile des Landes und die Familie war, wie geringes Gewicht auch in andern Theilen von Amerika auf ſie gelegt werden mag, zur Zeit meiner Geburt in Unter⸗Virginien eine Sache von nicht geringer Wichtigkeit. Natur und Erziehung hatten ſich vereinigt, 3 um den Oberſt Moore mit Eigenſchaften auszuſtatten, welche ihm erlaubten, die Stellung, die ihm durch ſeine Geburt angewieſen worden war, mit Glanz auszufüllen. Er war ein vollendeter Ariſtokrat und erwies ſich als ſolcher in allen ſeinen Worten, Mienen und Handlungen. In ſeinem Be⸗ nehmen lag eine ſelbſtbewußte Ueberlegenheit, der nur Wenige widerſtehen konnten, und welche durch eine freundliche, gefällige und feſſelnde Sanft⸗ muth und Milde ſogar angenehm gemacht wurde. Seine Freunde und Nachbarn nannten ihn das tadelloſe Muſter eines echten virginiſchen Gentle⸗ mans eine Bezeichnung, durch welche ſie das höchſtmögliche Lob am entſprechendſten auszudrücken glaubten. 3

Beim Ausbruche der amerikaniſchen Revolution war Oberſt Moore noch ein ſehr junger Mann. Der Geburt und Erziehung nach gehörte er, wie erwähnt, der ariſtokratiſchen Partei an, welche als ſolche natürlich conſervativ war. Er vermochte jedoch dem Antriebe der Jugend und Vaterlandsliebe nicht zu widerſtehen; er nahm ſich mit Eifer der Sache der Freiheit an, und trug durch ſeine politiſche Thätigkeit und ſeinen Einfluß nicht wenig zum Siege derſelben bei. Für die Freiheit hatte er in der That ſtets eine warme, energiſche Bewunderung gezeigt. Zu meinen früheſten Erinnerungen von ihm gehört der Eifer, womit er unter ſeinen Freunden und Gäſten die ranals ſtatt⸗

findende franzöſiſche Revolution vertheidigte. Er war der beredt ſte Lob⸗ edner und Fürſprecher dieſer Revolution, ſo lange ſie dauerte, und wenn