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Der Cid : nach spanischen Romanzen / besungen durch J. G. von Herder. Mit einer historischen Einleitung durch Johann von Müller
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70.

Sancho, König in Navarra, Zugenamt der Heldenmüth'ge, Er, des großen Cids Urenkel, Den ganz Spanien noch verehrt, Mit Alfonſo von Caſtilien Führet' er ſiegreiche Kriege, Drang hinein bis über Burgos, Ueverall gewinnend Beute, Bis mit ſolcher reich beladen Er hinwegzog, voll des Wahnes, Niemand könn' ihm widerſtehn.

So kam er auf ſeinem Rückzug In das Kloſter de Cardenna, Wo begraben lag der Cid, Hochverehrt: denn niemand glich ihm Seit der Zeit, an Muth und Stärke, Wie an Güt' und Redlichkeit.

Vorgeſetzter dieſes Kloſters War ein Abt, ein Mann von Jahren, Der als Ritter einſt in Waffen 5 Ehre ſich und Ruhm erworben, An Geſtalt ein Mann von Anſehn, Voll Gemüths; es drückt' ihn ſchmerzlich, Daß der König von Navarra Mit dem Schimpfe von Caſtiljen So viel Beute mit ſich nahm.

Als der König zum Altare Trat, bewundernd ſeine Fahne, Deren gleich' er in ganz Spanjen Keine nirgend je geſehn,

Riß der Abt ſie vom Altare, Und erhob die Fahne Cids.

Herders Werke z. ſchoͤn. Lit. u. Kunſt. V. 14