265⁵
„Als Moſes einſt vor Gott auf einem Berge trat, u. ſ. w.“ und wle tief mich damals ihre hohe Einfalt ruͤhrte. Auch iſt's nicht der Glanz des Wunderbaren allein, der in den morgenlaͤndiſchen Dichtungen das Auge des Juͤnglings an ſich ziehet, und ſein Gemuͤth wie mit einer goldnen Flamme beſtrahlet; vielmehr iſt's der reine Umriß, die hohe Simpllcitaͤt der Geſtal⸗ ten und Wahrheiten ſelbſt, dle ſich ihm unvergeßllch eindruͤckt. Unſere Geſchichte ſchleicht unter einem Gewirr klelner und feiner Beſtimmungen, des Stan⸗ des, der Lebensart, der Zeit, des Orts, der Perſo⸗ nen einher; dort ſind wenige Geſtalten beſtimmt ins Große gezeichnet. Der Sultan iſt Sultan; der Sklave ein Sklave; das Weib ein Weib; der Mann ein Mann. So iſt's mit den andern Charakteren des Richters, des Hoͤflings, des Einſtedlers, des Zauberers; ſie ſind alle ſo beſtimmt als die Thier⸗ charaktere der aͤſopiſchen Fabel. Dazu iſt dle Lehre, auf welche die Erzaͤhlung angelegt iſt, ſelten von der kleinlichen Art, die in unſern, inſonderhelt artigen, Erzaͤhlungen herrſchet. Die Dichtung iſt kuͤhn und groß; die Lehre, die in hr dargeſtellt wird, unge⸗ mein und euͤhrend. Der Ton endlich iſt, wie in al⸗ len orientaliſchen Schriften, ja der Bibel ſelbſt, morgenlaͤndiſch, d. 1. einfach, groß und edel. Und eben dieſe ungeſuchte Aehnlichkeit mit dem Ton der bibliſchen Geſchichte ſollte ſie uns, wie mich duͤnkt, fuͤr die Jugend noch mehr empfehlen: denn einmal iſt dieſe doch an einen ſolchen Ton gewoͤhnt, der ſei⸗ ner hohen und edlen Einfalt wegen maͤchtig auf ſie wirket. Warum ſollte man alſo nicht ſortgehen und


