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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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265 meiſtentheils mit ganz andern Thaten ganz anderer Menſchen beſchaͤftigt, als die zum Unterricht der Ju⸗ gend dienen, da ſie, der hergebrachten Gewohnheit nach, am weitlaͤuftigſten iſt, Thaten der Koͤnige zu beſchreiben, die ſie ſelbſt niemals gethan haben, oder ihre Feldzuͤge und Eroberungen zu ſchildern, die fuͤr die Jugend ſelten ein erbauliches Bild ſind, da ihre Begebenheiten entweder ſo ſehr an die Fa⸗

beln grenzen, daß es einer Offenbarung beduͤrfte,

in jedem Fall die Wahrheit von der Luͤge zu ſchei⸗ den, oder in ihr endlich alles mit ſeinen politiſchen Ruͤckſichten ſo verwebt iſt, daß es einer herkuliſchen Muͤhe brauchte, aus dieſer dunkeln Tiefe Gold zu finden: ſo ſiehet ſich der Unterricht der Menſchen leider! auch hier meiſtens der eigenen Compo⸗ ſit ion uͤberlaſſen, wie er die Geſchichte ſtellen und wenden will, damit ſie zur Bildung des Geiſtes und Herzens nur einigermaßen einiges Gute enthalte. Man hat ſich alſo auf allerlei Art zu helſen ge⸗ ſucht, um aus der großen Menge deſſen, was in der Geſchichte fuͤr die Jugend unverſtandlich oder wenig erbaulich waͤre, Gutes zu ſammeln und zu bereiten. Plutarche haben Lebensbeſchreibungen herausge⸗ ſucht und ſchon Fenophon hat, auf Sokrates Wink, kein Bedenken getragen, das Leben ſeines Cyrus zu einer Cyrvpaͤdie zu verſchoͤnen. Ja wem ſind nicht durch alle Zeitalter die vielen Geſchichten bekannt, die nur deßwegen ſich mit der Fabel miſch⸗ ten, damit ſie doch wenigſtens lehrreich wuͤrden, und ein Ganzes zu Stande braͤchten, das das Stuͤck⸗ werk der buͤrgerlichen Geſchichte uns ſelten darſtellt.