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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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ſop dieſe Gattung des unterrichts erfunden, heißen ſie alſo: denn ſowohl im Orient als bei allen auch nur halb gebildeten Voͤlkern der Erde hat der menſch⸗ liche Verſtand dieſe angenehme Haͤlle, unter der er ſelbſt zu Begriffen gelangte, werthgehalten und gebrau⸗ chet. Nur weil die Griechen der aͤſopiſchen Fabel den wiſſenſchaftlichen Umriß gaben, und weil wir aus ihrer Hand eine gute Anzahl ſolcher Dichtungen em⸗ pfingen, die Aeſops Namen tragen, hat die ganze Gattung ſich unter dieſen Namen gezogen, ſtatt deſ⸗ ſen man eben ſowohl orientaliſche, Lockman⸗ niſche oder Pllpaiſche Fabeln ſagen koͤnnte. Und allerdings hat dieſe Einkleidung inſonderhelt fuͤr Kinder einen großen Reiz. Indem ſie Gegen⸗ ſtaͤnde der Natur, inſonderheit Thiere, ſprechen und handeln ſehen, wird ihr Hang zum Neuen und Wun⸗ derbaren aufgeregt, und mit einer oft unerwarteten nuͤtzlichen Lehre ſehr angenehm befriedigt. Sie em⸗ pfangen Unterricht von Lehrern, deren Zurechtweiſung ſie gern annehmen, und je mehr kleine Zuͤge von Sitten der Thlere und ihrer Lebensweiſe in die Fa⸗ bel verflochten werden, deſte mehr wird dieſe ein Blatt aus der lehrenden Naturgeſchichte. Indeſſen iſt's auch bei dieſer, wie bei allen dich⸗ teriſchen Einkleidungen, ſichtbar, daß ſie ihre engen Grenzen und einen ſehr beſchraͤnkten Spielraum habe. Nicht jede Lehre, die fuͤr die Jugend gehoͤrt, kann einem Thier in den Mund gelegt oder in ſei⸗ ner Handlungswelſe ausgedruͤckt werden; ja ich wage es zu ſagen, die edelſten eigentlichen Lehren fuͤr die menſchliche Tugend koͤnnen es gar nicht. Erfah⸗