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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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Beilage.

Moent esquienu von den Sineſen.)

Die Sineſiſchen Geſetzgeber gingen weiter als Ly⸗ rurg; Religion, Geſetze, Sitten und Lebensweiſe miſch⸗ ten ſich in einander. Die Vorſchriften, welche dieſe vier Hauptpunkte betrafen, nannte man heilige Gebräu⸗ ch ez auf der genauen Beobachtung dieſer Gebräuche be⸗ ruhete die ſineſiſche Regierung. Mit Erlernung der⸗ ſelben brachte man ſeine Jugend zu und verwandte ſeine ganze Lebenszeit darauf, ſie in Ausübung zu bringen. Die Gelehrten gaben darinn Unterricht, die Obrigkeiten predigten ſie; und da ſie alle kleinen Handlungen des Lebens umfaßten, ſo wurde, wenn man Mittel fand, ſie genau iws Werk zu richten, Sina gut regieret.

Zwei Dinge halfen dazu, dieſe Gebräuche dem Her⸗ zen und Geiſt der Sineſer leicht einzuprägen. Das Erſte iſt ihre Schreibart. Da dieſe äußerſt zuſammengeſetzt iſt, ſo machte ſie, daß während einem großen Theil des gebens der Geiſt einzig beſchäftigt war⸗ dieſe Gebräuche Kennen zu kernen, weil man leſen lernen mußte, um in Büchern und aus Büchern dieſe Gebräuche zu lernen. Das Zweite war, daß dieſe Gebräuche nichts Geiſtiges enthielten, ſondern bloß Regeln einer gemeinen Aus⸗ übung waren: ſo trafen ſie den Geiſt reichter und grif⸗ fen tiefer in ihn ein, als wenn ſie etwas Intellektuel⸗ kes geweſen wäͤren.

*) Esprit des loix L. KIX. Chap. XVII.