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am liſtigen Verführer; ſie übertrat des Herrn Gebot, und hörte des weiſſagenden Vogels Stimme nicht.
Als über alle Geſchöpfe des Paradieſes der Tod kam, ſonderte Gott den treuen Vogel aus, fortan auf ewige Zeit ein Zeuge der Wahrheit. Zwar mußte auch Er mit allen Lebendigen den Sitz der Unſchuld räumen: König der Vögel, die jetzt einander bekriegten, wollte er ſelbſt nicht mehr ſeyn: ſeinen einſt glücklichen, ruhigen Thron nahm ein Raubvogel ein, der blutbegierige Adler. Auch die Unſterblichkeit konnte ihm fortan in dery dicke⸗ ren giftigen Erdeluft anders nicht als durch Verwand⸗ lung werden. Aber durch eine Verwandlung, die nach⸗ Jahrhunderten erſt, und ſchnell und herrlich dann ihn wieder verjüngt. Wenn ſeine Stunde nahet, iſt ihm ver⸗ gönnt, ins Paradies zu fliegen: vom Baum des Lebens und vom Erkenntniß⸗Baum bricht er ſich dort die dürren, alten Zweige, in deren Flamme ſich ſeine Glieder löſen. Die Zweige vom Baume der Weisheit bringen ihm Tod, die Flamme vom Baume des Lebens neue Jugend. Dann zieht er wieder in ſeine Wüſte zurück, und trauert um das Paradies; der ſchöne, einzige, ſelten geſehene, noch ſelte⸗ ner befolgte Vogelunſterblicher Wahrheit.
Der himmliſche Schaͤfer.
Tief in der Mitternacht vor jenem Frühlingsfeſte, an welchem die erſten Zwillingsſöhne des Menſchengeſchlechts dem Schöpfer ein Dankopfer bringen ſollten, ſah ihre Mutter im Schraf einen wunderbaren Traum. Die weißen Roſen, die ihr jüngerer Sohn um ſeinen Altar gepflanzt, waren in blutige vollere verwandelt, die ſie noch nie geſehn. Sie wollte die Roſe brechen, aber ſie zerfiel vor ihrer Hand. Auf dem Altar, auf welchem ſonſt nur Milch geopfert ward, lag jetzt ein blutiges Lamm. Weinende Stimmen erhuben ſich ringsum, und Eine Stimme der Verzweiflung war in ihnen, bis alles ſich zuletzt in ſüͤße Töne verlor, in Töne, die ſie noch nie gehöret hatte.


