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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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ſo erſchien er in Schlangengeſtalt; vom glänzenden Sey, raph blieben ihm nichts als ſchimmernde Farben.

Eva ſah und bewunderte ſie, und ließ ſich bald ver⸗ führen: ſie vom Baume den Tod und reichte dem Manne die Frucht des Todes, Krankheit und Elend keimten jetzt für alle Geſchlechter der Erde.

Der Vater der Menſchen erſchien. Er richtete die Verführten mit Erbarmen; die verführende Schlange aber ſtrafte er hart, verfluchend ſie zum tiof verabſcheue⸗ ten Wurm dey Erde.Weil deine Freude es war ſprach er zu Sammael,Unglückliche zu machen, ſo ſey künftig die Schadenfreude nur dein unglückſeliges Theil.

Verbannet aus der Schaar der Seligen, verbannt von jedem ſegnenden Geſchäft, das Sammgel einſt im Himmmel geführt hatte, ward er jetzt der Engel des Todes.

Der Vogel unſterblicher Wahrheit.

In Mitte des Paradieſes ſtanden die wunderbarſten Bäume der Welt, der Baum der Erkenntiß und der Baum des Lebens. Von dieſem zu eſſen war den Menſchen erlaubt; von jenem zu koſten war ihnen, um ihrer Kindheit wilten, verboten. Der einzige Phönix, damals noch der König des ganzen gefiederten Reichs, Er nur niſtete in dieſen Zweigen, und von ihnen unſterbliche Götterſpeiſe.

Als Eva lüſtern zum Baum der Erkenntniß trat, und koſten wollte: da war's, als furchtbar auf dem Baum der geflügelte Zeuge der Wahrheit ſeine Stimme erhob, und alſo ſprach:Betrogne wo irreſt du hin? was zu erblicken, öffneſt du die Augen? Dich nackt zu ſehen, wirſt du weiſe; dich arm zu fühlen, willſt du Göttinn werden!

Aber Eva's Blick hing an der täuſchenden Frucht und