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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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aber fruͤhe nach fremden Reizen blickt und buhlt nach Weſen, die nicht zu ihm gehören, empfängt zur Strafe eine fremde Hälfte. In Einem Leibe zwo verſchiedne Seelen, haſſen ſie einander, zerreißen ſich und quälen einander zu Tode.

Sammasl.

Als Gott den Menſchen aus Staube geſchaffen und den verweslichen Staub gekrönet hatte mit ſeines Eben⸗ bildes Krone, ſtellete er ihn den Engeln dar und allen (Geſchöpfen. Die Schaar der Engel neigete ſich vor ihm als ihrem jüngern Bruder; ſie dienten ihm fröhlich bei ſeiner paradieſiſchen Hochzeitfreude.

Nur einer derſelben, der ſtolze Sammael, ſpottete ſein:Bin ich nicht, ſprach er, aus Licht geſchaffen worden, nicht aus Staube? Der Feuerſtrom, der vom Throne fließt, gab mir das Weſen und nicht die zer⸗ fallende Erde.

Siehe, da wich von ihm der Strom des Lichts; wie Schnee zerſchmolz das Kleid, das ihn umgab und glänzend ſchmückte. Der ſtolzeſte Geiſt erſchien jetzt als der niedrigſte, da ihn die Kraft verließ, die ja nicht ſein war.

Voll Zorn entwich er der Schaar der Himmriſchen, und drohte Rache den unſchuldigen Menſchen.Da ich durch Euch, ſprach er, unglücktich worden bin, ſo ſollet auch Ihr durch mich unglücklich werden. Er hatte das Verbot gehört, das ihnen die Frucht des ſchädlichen Baumes unterſagte; er nahm die letzten Strahlen zu⸗ ſammen und wollte ſie noch in Engelgeſtalt verführen. Aber der Schnee zerſchmolz, den er zu ſeinem Kleide vieden wollte, und da er den Weg des Verführers ging,