20
den Saft, und nannte ihn ſeinen Freund. Die ſtolzen Bäu⸗
me beneideten jetzt die ſchwanke Ranke: denn viele von ihnen ſtanden ſchon entfruchtet da; er aber fraéuete ſich ſeiner ſchlanken Geſtart und ſeiner harrenden Hoffnung.
Darum erfreut ſein Saft noch jetzt des Menſchen Herz, und hebt empor den niedergeſunkenen Muth, und erquicket den Betrübten.
** ½
Berzage nicht, Verlaſſener und harre duldend aus.
Im unanſehnlichen Rohre quilt der ſüßeſte Saft; die ſchwache Rebe gebiert Begeiſterung und Entzückung.
Die Baͤume des Paradieſes.
Als Gott den Menſchen in ſein Paradies einführete, da neigeten ſich vor ihm des Paradieſes Bäume; jeder
bot mit wehendem Wipfel dem Lieblinge Gottes ſeine
Früchte dar, und ſeiner Zweige Schatten zur Erauickung. „O daß er mich erwählte,“ ſprach der Palmbaum,„ich wollte ihn ſpeiſen mit den Trauben meiner Bruſt und mit dem Weine meines Saftes ihn tränken. Von mei⸗ nen Wättern wollte ich ihm eine friedliche Hütte bauen und überſchatten ihn mit meinen Zweigen.“„Mit meinen Blüthen wollte ich dich beſtreuen, ſprach der Apfelbaum, und laben dich mit meinen beſten Früchten.“ So alle Bäume des Paradieſes; und Jehovah füh⸗ rete Adam freundlich hin zu ihnen, nannte ihm die Ramen aller, und erlaubte ihm den Genuß von allen, außer Einer Frucht vom Baum der Erkenntniß. „Ein Baum der Erkenntniß: ſprach der Menſch in ſich. Alle andere Bäume geben mir nur irrdiſche, leibliche Nahrung; und dieſer Baum, der meinen Geiſt erhebt, der die Kraͤfte meines Gemüthes ſtärkt, Er wäre mir verboten?“ Noch unterdrückte er den Gedan⸗ ken zwarz als aber das Beiſpiel und die Stimme der


