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Johann Gottfried von Herder's Blumenlese aus morgenländischen Dichtern / Johann Gottfried von Herder. Herausgegeben von Johann von Müller
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menten, aus welchen er ward; aber ſein Geiſt kehrt wieder zu Gott, der ſeinen Athem ihm im Vater⸗Kuſſe gegeben.

Der Weinſtock.

Am Tage der Schöpfung rühmten die Bäume gegen einander, frohlockend ein jeglicher über ſich ſelbſt.Mich hat der Herr gepflanzt, ſo ſprach die erhabene Ceder; Beſtigkeit und Wohlgeruch, Dauer und Stärke hat er in mir vereint.Jehovahs Huld hat mich zum Segen geſetzt, ſo ſprach der umſchattende Palmbaum;Nutzen und Schönheit hat er in mir vermählet. Der Apfel⸗ baum ſprach:wie ein Bräutigam unter den Jünglin⸗ gen, prange ich unter den Baͤumen des Paradieſes. Und die Myrthe ſprach:wie unter den Dornen die Roſe, ſtehe ich unter meinen Geſchwiſtern, dem niedri⸗ gen Geſtraͤuch. So rühmten alle, der Oel, und Feigen⸗ baum, ſelbſt die Fichte und Tanne rühmten ſich.

Der einzige Weinſtock ſchwieg und ſank zu Boden. Mir, ſprach er zu ſich ſelbſt, ſcheint alles verſagt zu ſeyn, Stamm und Aeſte, Blüthen und Frucht; aber ſo, wie ich bin, will ich noch hoffen und warten. Er ſank danieder, und ſeine Zweige weinten.

Nicht lange wartete und weinte er; ſiehe da trat die Gottheit der Erde, der freundliche Menſch, zu ihm. Er ſah ein ſchwaches Gewächs, ein Spiel der Lüfte, das unter ſich ſank, und Hülfe begehrte. Mitleidig rich⸗ tete er's auf, und ſchlang den zarten Baum an ſeine Laube. Froher ſpielten anjetzt die Lüfte mit ſeinen Reben, die Gluth der Sonne durchdrang ihre harten, grünenden Körner, bereitend in ihnen den ſüßen Saft, den Trank für Götter und. Menſchen. Mit reichen Trauben geſchmückt neigete bald der Weinſtoch ſich zu ſeinem Herren nieder, und dieſer koſtete ſeinen erquicken⸗

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