beſiegte, denn Alles im Hauſe und der Familie trug den Stempel der tiefſten Verehrung fuͤr die Ge⸗ braͤuche ſeiner Vorfahren.
Des Morgens, ehe das Kind in die Schule ging, gab ihm die Mutter ſtets Brot, das mit Honig und Zucker ſuͤß gemacht worden, und bediente ſich dabei der Worte:„ſo wie dieſes ſuͤß fuͤr deinen Gaumen iſt, ſo ſey das Lernen auch ſuͤß fuͤr deinen Geiſt,“ und dann gab ſie ihm noch manchen guten Rath, wie er fuͤr eine Mutter ſich ſchickte, namentlich ihn erinnernd,„daß Gott ein Freund von reinen Lip⸗ pen ſey.“ 6
Das heilige Gebraͤm, die geweihete Geſetzbinde, die Stirnbinden und die Armſpangen mit Spruͤchen aus den Geſetzbuͤchern, alles dies hielt der alte Mann ſehr in Ehren. Selbſt bei den gewoͤhnlichſten Hand⸗ lungen des taͤglichen Lebens konnte man bemerken, wie er es fuͤhlte, oder es ſich wenigſtens vorſtellte— was am Ende doch daſſelbe iſt— daß ein Engel zu ſeiner Rechten, ein anderer zu ſeiner Linken ſtehe⸗ Man mußte ſeinen eilenden Gang nach der Syna⸗ goge, und ſeinen langſamen Schritt, wenn er von dort zuruͤckkehrte, ſehen; ihn beobachten, wenn er mit der Huͤlle uͤber dem Kopfe allein betete, wie er ſein Haupt neigte, die Haͤnde auf das Herz legte, das jubelnde Erheben ſeines Leibes bei'm Ausſprechen des Segens, den, nach der Meinung der Juden, nur ei⸗ ner der Ihrigen allein berechtigt iſt, auszudruͤcken; ſein jammerndes Bekenntniß(Beichte), das tiefe


