275
merkſamer die Gruppe betrachtete, duͤnkte es mich, als ob ein Geſicht darunter mir bekannt ſey. Ein großer Knebelbart von dunkelrothem, dicken Haar uͤberſchattete faſt ganz einen haͤßlichen Mund, in wel⸗ chem ein Zahn fehlte. Das eine Auge war geſchloſ⸗ ſen, das andre ſchielte heimtuͤckiſch unter dem falti⸗ gen Turbane vor. Aus der blauen, oben kahlen, Tuͤr⸗ kiſchen Jacke ragte ein dicker, ſtaͤmmiger Hals, und darunter breiteten ſich ein paar derbe Schultern mit herkuliſcher Staͤrke aus. Schenkel von gleichem Verhaͤlt⸗ niſſe trugen die Rieſengeſtalt; die Stimme des Men⸗ ſchen glich keiner der uͤbrigen, und ſein Niederwerfen und Nachrufen geſchah mit ungeſchicktem verdruͤßlichen Zwange. Ich konnte mich nicht irren. Es war der Raͤuber aus Liſſabon,— der Schaͤndliche,— er, der das ſchoͤne Maͤdchen gemordet hatte.
Kaum waren die Gebete vorbei, als wir auf den hintern Theil des Schiffes uns begeben mußten. Der Rais war ein kleiner, duͤnner, blaſſer, grauſam ausſehender Mann. Das Verdeck war ganz voll Menſchen. Aber man hoͤrte nichts, als abwechſelnd ſeine Stimme, die ſeines Dolmetſchers und die zit⸗ ternden Antworten eines armen Neapolitaners, der mit mir war gefangen genommen worden und die lingua franca ſprach. Zu Zeiten entſtand eine lange Pauſe; dann vernahm man das Gurgeln des Waſſers, in der Pfeife des Rais, ſo wie der Athem langſam heraufgezogen ward. Der Erfolg von alle dem war, daß man mir die Kette abnahm, und mir S 2


