endlich in den Stand, ohne Verweilen mein Pferd zu beſteigen, und das arme Herz zur Ruhe zu bringen, das in mir ſo heftig ſchlug, als wolle es ſeinen be⸗ benden Kerker ſprengen. Nun ſloſſen meine Thraͤnen. Zwei Meilen lang ritt ich mit gewaltiger Haſt, um meine Gedanken zu zerſtreuen; dann hielt ich an, ritt langſamer, und blickte ſchmerzlich auf Baum und Buſch und Bach umher, als koͤnnten ſie meinen letz⸗ ten Blick, mein letztes Lebewohl zur Heimath zu⸗ ruͤckbringen.
Als ich einen oft beſuchten Lieblingshuͤgel hin⸗ aufreiten wollte, faßte eine Hand mich mit innigem Drucke am Kniee,— es war Eduards Hand, meines juͤngern einzigen Bruders. Bis hieher war er vor⸗ ausgelaufen, um noch einen ſpaͤtern, laͤngern, ganz nur ihm angehdͤrenden Abſchied von mir zu nehmen. Bis oben auf den Huͤgel ging er ſchweigend und be⸗ klommen neben meinem Pferde her, mich immer noch mit ſeiner Hand feſthaltend, ſein ſtroͤmendes Auge bald feſt auf mich richtend, bald es zu Boden ſen⸗ kend. An der Ecke eines Waldwegs, der zu einem unſrer Sommerſpazirgaͤnge fuͤhrte, eilte er ploͤtzlich von mir fort, und ich verlor ihn augenblicks aus
den Augen.— Wie liebte ich ihn!— Er war damals
14 Jahr alt— voll Talent, und was noch beſſer iſt, voll Guͤte;— ſeine freundliche Art war ſo innig, ſein ganzes Weſen ſo mild und gelaſſen. Er hatte nie die Welt geſehn,— der gluͤckliche Knabel er ſah ſie nie! Immer breitet ſich Sonnenſchein uͤber die Ver⸗
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