— 361—
angewachſen und ſetzte es durch, ihn unter Hydaspes und des hohen Rathes Augen zu führen:„König, begann er, n das iſt der Räuber meiner Tochter: dieſer iſt's, der mein Haus mir verwaiſte: mitten heraus von des pythiſchen Gottes Altären mir die Seele ſtahl, und ſitzt nun wunderfromm an der Götter Altären.“ Alle ſtaunten über den Vorfall, die ſeiner Worte Sinn verſtanden, ſo gut wie die uͤbrigen, welche ſich nur uͤber das, was ſie ſahen, wunderten.
Und als ihn Hydaspes ermuthigt, deutlicher 34
auszuſprechen, was er meine: da verbarg der Greis — Charikles war's— das wahre von Charikleiens Herkunft: aus Scheu, man würde, da das Mädchen ihm entflohen, alles Mitleid ihm verſagen und er ſelbſt ſich einen Streit mit ihren wahren Eltern zuziehen. Darum erzählte er kurz nur was unan⸗ ſtößig war und ſprach:„Ich hatte eine Tochter, o König! Wie ihr Herz, ihre Geſtalt war— hättet ihr's geſehen, nur dann würdet ihr glauben, daß ich ein Recht habe, alſo davon zu reden.— Jung⸗ fräulich war ſie und Prieſterin der Artemis in Delphö. Und ſie hat dieſer treffliche, ein Theſſa⸗ lier von Herkommen, der gen Delphö, meine Va⸗ terſtadt, kam, um einer Heimathſitte zu genügen als Opferfürſt, heimlich aus dem Tempel ſelber mir geraubt, aus dem Tempel des Apollon! Auch ihr werdet mit Recht ihn für verrucht halten, daß er euren vaterländiſchen Gott Apollon, der eins iſt mit Helios, und ſeine Weiheſtätte entheiligte. Ge⸗ hülfe war ihm zu dem frommen Werk ein falſcher


