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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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aber doch ſonſt wohl ein Liebesnahen.Ihn zu retten iſt nicht möglich, fuhr ſie fort;doch, welche Gemeinſchaft haſt du mit dieſem Mann, daß du ſorg⸗ ſam um ihn dich zeigſt: ſprich es uur muthig aus zu deiner Mutter; und iſt es eine jugendliche Wallung ziemt ſie auch der Jungſräulichkeit nicht Mut⸗ terliebe weiß die Tochter und Frauenmitgefühl ein weiblich Vergehen zu verſchleiern. Da weinte Cha⸗ rikleia heftig:das iſt mein höchſtes Unglück, be⸗ gann ſie, daß ich ſelbſt verſtändigen unverſtändlich rede und wenn ich meine Gefuhle ausſpreche, ſie dennoch nicht ausgeſprochen haben ſoll. So bin ich denn gezwungen, zu einem offnen Geſtändniß zu ſchreiten.

So ſprach ſie und gedachte eben ihr Verhältniß zu enthüllen, als wieder ein lauthallendes Geſchrei, vom Volk erhoben, ſie aufſchreckte. Theagenes hatte das Roß ſeine ganze Rennkraft aufbieten laſſen: als es mit der Bruſt dem Kopf des Stieres etwas voraus war, ſchwang er ſich ab vom Thier, das er ledig laufen ließ, und warf ſich gleich dem Stier auf den Nacken, drangte ſein Antlitz mitten hinein zwiſchen die Hörner, ſchlang ſeinen Arm, wie einen Kranz darum und verſchränkte an der Stirn des Stieres die Finger in einen Knoten, die uͤbrige Laſt ſeines Körpers ließ er an des Bullen rechter Schulter herabhängen und jagte ſchwebend dahin: nur wenig von des Stiers Sprüngen geirrt. Wie er laß ihn ſpürte von der Laſt und ſeine Sennen in der über⸗ mäßigen Spannung ermatten, ſchwenkte er ihn nach vorn als er herumkam, wo Hydaspes ſaß, warf die

Theagenes u. Charikleia. 23

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