zukommen, ihr Unglück zur eigenen Rettung benuz⸗ zend. Sie trat zu ihr hinein mit den Worten:„wa⸗ rum doch, o Herrin, ſchiltſt du immer vergeblich dein Mädchen? diente ich dir doch jetzt, wie immer nach deinem Willen, dem Geſchick iſts beizurechnen, wenn irgend etwas nicht nach Wunſch geſchah. Doch bin ich bereit, ſo du gebeutſt, ein Heilmittel deiner jetzigen Schmerzen zu erfinden!“— Da ſprach ſie: und welches, du Liebe, mag wohl gefunden werden, da der, welcher heilen konnte, hinwegſchwand? und ich durch die unverhoffte Menſchlichkeit der Richter ſo ganz vernichtet bin? denn wäre er geſteinigt, wäre er nur todt; gewiß, auch mein Schmerz waͤre mitgeſtorben. Hoffnungsloſes reißt ſich vom Herzen und wenn nirgend mehr der Sehnſucht eine Stätte gegönnt iſt, ſo endet die Qual der Bekümmerten. So aber träume ich ihn zu ſehen, meine ihn hier zu hören, ſcheue mich vor ihm, wie er die frevelhafte That mir vorhält. Dann iſt mir wieder, als nahe er mir und wäre ganz mein, oder als käme ich ſelbſt zu ihm, wo in der Welt er auch ſeyn möchte. Das brennt, das wüthet in mir! O ihr Götter, wohl iſt gerecht, was ich leide! Warum überredete ich ihn nicht, ſtatt ihm nachzuſtellen, warum flehte ich nicht zu ihm, ſtatt ihn zu verfolgen? Er wandte ſich hinweg anfangs— und natürlich; die Gattin eines andern, ſeines Vaters, ſcheute er. O er wäre freundlicher geworden mit der Zeit und durch Ueberredung umgewandelt. Aber ich Grauſame, ich Herzloſe!— Nicht wie eine Liebende, wie ſeine Herrin raſ'te ich, weil er meinem Gebot nicht folgte und Demäneten verachtete, die er doch weit an
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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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