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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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aber denn noch war ihre Rache nicht geſättigt legte mir folgende zweite Falle. Sie hatte ein Mäd⸗ chen bei ſich, Thisbe, kundig die Laute zu ſpielen und von Antlitz nicht unſchön eben. Die ſchickte ſie gegen mich aus und befahl ihr ſich zu ſtellen, als ob ſie mich liebe, und alsbald liebte mich Tisbe: ſie, die mich ſonſt, wenn ich ihr nahe trat, wegwies, lockte mich jetzt auf alle Weiſe mit Blicken, Winken und Zei⸗ chen. Nun war ich Thor ſicher, ungeheuer ſchön zu ſeyn, und nahm ſie endlich des Nachts mit in mein Ge⸗ mach. Und wieder beſuchte ſie mich, und noch einmal, und zuletzt ward ihr Kommen Gewohnheit. Und wie ich ihr nun einſt recht anrieth, ſich zu hüten, daß ihre Herrin ſie nicht entdecke, ſprach ſie:O Knemon, wie erſcheinſt du mir thörig in deinem Wahn, es ſey gefährlich, wenn ich, eine Dienerin und Sklavin über Männerbeſuch entdeckt werde! Welcher Strafe hältſt du denn ſie werth, die eine Freigeborne ſich rühmt, ihren geſetzlichen Gatten hat und dennoch buhlt, obgleich ſie den Tod als Strafe ihres Vergehens kennt?

O halt ein, ich mag dies nicht glauben!Nun,

iſt dirs genehm, ſo laſſe ich dich den Buhlen auf der That betreffen.Wenn du wollteſt ſprach ich Wie werde ich nicht wollen, erwiderte ſie,da du ſo von ihr geſchändet wardſt, und ich ſelbſt nicht we⸗

niger, da ich das Aeußerſte täglich von ihr erdulden

muß, wenn ſie eine leere Eiferſucht an mir kühlt. Wohlan, wenn du ein Mann biſt, überraſche ſie!

12 Als ich das ihr verſprochen, ging ſie hinweg. Die

dritte Nacht darauf weckte ſie mich aus dem Schlaf und verkündete mir, daß der Buhle drin ſey. Der Vater ſey weggereiſt, weil ihn ein plötzliches Geſchäft

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