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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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ich ſchon oft Verdacht, mied ſie und erwehrte mich ihrer Nähe. Was ſoll ich ermüden durch die Schil⸗ derung des übrigen? Die Verſuchungen, in die ſie mich führte, die Verheißungen, die ſie mir gelobte, wie ſie bald mich ihren lieben Jungen, bald ihren Sü⸗ ßen nannte, dann wieder ihren Erben und gleich da⸗ rauf ihr Leben wie ſie unverſtellt ſchöne Namen mit Lockenden paarte, und, an welchen Dingen ich be⸗ ſondere Freude fand, beachtete; dies offenbarte ſie bei Unbefangenen als Mutter, bei Gewitzigten aber

10 deutlich als Liebende. Das endete denn auf folgende

Weiſe. Als das große Panathenäenfeſt gefeiert ward, wo die Athenäer der Athene ein Schiff zu Lande zu⸗ führen, trat ich gerade ins Jünglingsalter. Wie ich nun der Göttin den herkömlichen Päan geſungen und den hergebrachten Feſtzug beendet, kam ich wie ich war im Feſtgewand mit Mantel und Kränzen in unſere Wohnung. Da gerieth ſie, ſobald ſie mich gewahrte, außer ſich, verbarg nicht mehr ihre Liebe, ſondern eilte in unverſtellter Gluth auf mich zu und rief, mich umſchlingend:O mein zweiter Hippolytos, du mein Theſeus! Wie glaubt ihr, daß mir damals war, da ich noch jetzt beim Erzählen erröthen muß? Als es Abend ward, ſpeiſte mein Vater im Prytaneion und wollte, wie bei einem ſolchen Feſt gewöhnlich, bei dem allgemeinen Trinkgelag auch übernachten. Da nahte ſie mir des Nachts und begehrte Unwürdiges. Wie ich nun auf alle Weiſe mich widerſetzte und gegen alle Schmeicheleien, Verſprechungen und Drohungen anſtrebte, ſeufzte ſie tief und ſchwer auf und eilte hinaus. Und ſo begann denn nun, dieſe einzige Nacht verſchiebend, die Schändliche ihre Verfolgungen ge⸗

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