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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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da ihr uͤberdieß des Schlafes bedürft und der Ruhe von Euren Anſtrengungen. Wie ſie nun dennoch 9 nicht nachlieſſen und auf alle Weiſe ihn zu erzählen baten, meinend es ſey der gröſte Troſt, gleiche Schick⸗ ſale zu vernehmen, begann Knemon dergeſtalt: Mein Vater war Ariſtippos, Athenäer von Ge⸗ burt, ein Mitglied des oberen Rathes, mittleren Vermögens. Als es nun geſchah, daß meine Mutter ſtarb, ſah er ſich nach einer zweiten Gattin um, weil man ihn darum verdachte allein auf mich ſein ſchwankend Vaterglück zu bauen, und führte ein artiges aber un⸗ glückbringendes Weibchen heim, Namens Demänete. Denn ſo wie ſie nur einzog, machte ſie ſich ihn ganz zu eigen und überredete ihn allein nach ihrem Willen zu thun, ſchon mit ihrer Schönheit den Alten lockend und nun vollends ihm ſchmeichelnd; ſie konnte aber, wie nie ein Weib, für ſich einnehmen und verſtand die Kunſt zu buhlen aus dem Grunde; ſeufzte, wann mein Vater ausging, eilte ihm entgegen, wann er kam, ſchalt, wann er ausblieb, als ob ihm bei jeder Zögerung der Tod drohe, umfing ihn bei jedem Wort, in ihre Küſſe weinend. Durch alles dies war mein Vater eingegarnt und athmete nur allein in ihr und ſah nur ſie allein. Sie nun ſchien anfangs auch auf mich gleich einem Sohn zu achten, kam auf mich zu, wie dem Ariſtippos zu lieb, küßte mich auch wohl und verhieß ſtets mir gewogen zu ſeyn. Ich dagegen neigte mich zu ihr ohne Ahnung der Wahrheit, wun⸗ derte mich nur über ihre mütterliche Zuneigung zu mir. Wie ſie mich aber dreiſter umfing und ihre Küſſe heißer wurden, als ſich ziemte, und ihr Blick uͤber die Gränzen der Sittlichkeit hinausglühte: da ſchöpfte