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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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er der Menge, nach Haus zu gehen, und foderte ſie für den folgenden Tag alle zu ſich. Er ſelbſt aber mit wenigen ſeiner gewohnten Genoſſen allein ge⸗ laſſen, ertheilte bald darauf den andern eine Mahlzeit, nahm ſelbſt Theil und übergab dann die jungen Leute, wegen der Sprache, einem griechiſchen Jüngling, der vor kurzem ſein Gefangener geworden, räumte eine Wohnung neben der ſeinigen ein und befahl ihm ſowohl für das übrige Sorge zu tragen, als die Jungfrau vor allem rein zu bewahren. Er ſelbſt, von den Beſchwerden des Tages ermüdet und um das Vorge⸗ fallene ſorgend, legte ſich ſchlafen.

Wie's nun ſtill im Sumpfe ward und die erſte Stunde der Nacht hereinbrach, da nützte das Mäd⸗ chen bei der Ruhe der Lärmenden die Gelegenheit zum Weinen. Denn die Nacht regt wohl mehr das Unglück auf, weil in ihr weder Sehen noch Hören die Aufmerkſamkeit theilt, ſondern den Traurigen unbeſchäftigt allein läßt. Alſo viel fur ſich ſelbſt ſeuf⸗ zend ſie lag abgeſondert, wie es geboten war, auf einem Lager und ſich recht ausweinend, ſprach ſie: Apollon, wie ſchwer und bitter rächſt du unſer Ver⸗ gehen! Iſt das, was ſchon geſchah, dir nicht genug? Getrennt von den Meinen, von Seeräubern gefangen, nach des Meeres tauſenderlei Gefahren, nun zum zweitenmale Landräubern hingegeben, um noch her⸗ beres zu erwarten! Wann wirſt du enden? In un⸗ beflecktem, reinem Tode, iſt mir das Ende ſüß; ſoll aber jemand in Unkeuſchheit mir nahen, mir, der nicht einmal Theagenes, ſo komme ich der Schande mit freiwilligem Tode zuvor; rein will ich bleiben, wie ich bin, meine Reinheit als ein ſchönes Eigenthum