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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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6 eine Fußfeſſel als einen gewiß neuen Führer. Und

ſo wird denn jeder Hirt in dieſem See geboren, nährt ſich von ihm und hält ihn für ſein Vaterland als einen guten Schutz für Räuber. Darum ſtellt ſich auch bei ihnen ein ſolches Leben ein. Das Waſeer iſt ihnen eine Schutzmauer und hinter dem vielen Schilf ſitzen ſie wie hinter einem Wall. Sie haben, nur wenige Wege einſchneidend, die in vielen Windungen hin⸗ irren, ihnen ſelbſt durch die Bekanntſchaft leicht find⸗ bar, für andere aber äußerſt ſchwierig zum Durch⸗ fahren, ſich vor möglichem Ueberfall ein ſtarkes Boll⸗ werk geſchaffen. So ohngefähr verhält ſich's mit die⸗ ſem See und den drin wohnenden Hirten.

Wie nun die Sonne ſchon im Sinken war, kam der Räuberhauptmann mit ſeinen Geſellen dort an. Einige halfen unſeren jungen Leuten vom Roß und legten die Beute in die Nachen. Der größte Haufen aber der Räuber, die zu Haus geblieben waren, kam zum Vorſchein, indem einer nach dem andern aus dem Schilfe kroch und zu den übrigen lief, und empfing den Hauptmann wie einen König. Als ſie aber die Fülle von Raub und die Schönheit des Mädchens ge⸗ wahrten, das ſie wie ein göttlich Weſen betrachteten, vermutheten ſie, daß irgend ein Heiligthum oder ein reicher Tempel von ihren Geſellen geplündert ſey. Daß man die Prieſterin ſelbſt mitgeſchleppt, ſchloſſen ſie in ihrer Unwiſſenheit wegen der Jungfrau. Den Hauptmann aber geleiteten ſie, unter lautem Preiſen ſeiner Bravheit, in ſeine Wohnung. Dies war eine kleine Inſel, welche, abgeſondert von den andern, nur für ihn und wenige ſeiner Trabanten zu einem Aufenthalt abgeſtochen war. Dort angelangt befahl