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Theagenes und Charikleia : ein Roman / aus dem Griech. des Heliodoros, übers. von Karl Wilhelm Göttling
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überſieht aber die reine und ächte Liebe alles, was von auſſen hereinbricht, ſchmerzliches oder ſüßes, und zwingt den Sinn nur das eine geliebte zu ſehen und zu denken.

Während des waren die Räuber vorgeſchritten 3 und ihr gegenüber gekommen: da blickte die Jung⸗ frau wieder auf und als ſie die Männer ſchwarz von Farbe und wilden Blicks gewahrte, begann ſie alſo: Seyd ihr die Schatten der hier liegenden, ſo zürnt ihr uns mit Unrecht, denn ihr habt euch ja meiſt ſelbſt umgebracht. Ihr wenigen, die wir getöͤdtet, ſeyd gefallen nach dem Recht der Nothwehr gegen ſchmachvollen Anfall auf die Unſchuld. Seyd ihr aber Lebende, ſo kommt ihr, wiewohl die Weiſe eures Lebens räuberhaft erſcheint, dennoch zur glücklichen Stunde. Löſt uns von dem Jammer, der uns um⸗ fängt und endet mit unſerem Mord das Trauerſpiel! So ſprach ſie im tiefſten Schmerz. Jene aber, die nichts von dem Geſagten verſtanden, ließen die bei⸗ den ihrer eigenen Schwäche vertrauten ſie die Wache rannten nach der Jacht, leerten ſie von ihrer Ladung und trugen vieles andere, was in großer Menge da war, überſahen ſie ganz nur Gold, Silber, edle Steine und ſeidene Stoffe, ſo viel ein jeder vermochte, heraus. Als ſie nun genug zu haben meinten und ſo viel zuſammengebracht hat⸗ ten, daß ſelbſt Raubſucht geſättigt ſchien, legten ſie die Beute am Strande nieder und ſonderten ſie in Traglaſten und Theile, doch nicht nach dem Werth des einzeln, ſondern nach gleichem Gewicht. Ueber den Jüngling und die Jungfrau wollten ſie hierauf entſcheiden: indem nahte aber ein anderer Räuber⸗