Druckschrift 
Die Herrin von Schwarzenhof : Roman / von Albrecht Heinz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

211

Wie hätte er die allgemeine Entrüſtung gegen den Landesfeind mitfühlen, wie ſich ſelbſt, wenn das der Fall geweſen wäre, der allgemeinen Bewegung fern halten können? Ein kräftiger ſchöner Mann, würde er ausgehoben worden ſein. Der Schullehrer des Orts, ſein Freund, nahm das Kind in die eigene Familie auf und würde dies bei Thielooſen's ſpäterem Heimgange wieder gethan haben, wären meine Frau und ich nicht zuvorgekommen, antwortete mir Schwendler.

Ich kann nicht beſchreiben, welch bitteres, aus Indignation und Empörung gemiſchtes Gefühl mich überkam, als ich das erfuhr. Wie öde, wie troſtlos verkümmert, heillos verſchroben müſſen die Seelen⸗ zuſtände des unglücklichen, gegen mich ergrimmten Mannes geweſen ſein! Daß ich und in welchen Ver⸗ hältniſſen ich lebte, hatte er doch ſicherlich ge⸗ wußt. Wie hatte er es über ſich gewinnen können, das Kind lieber Fremden zu überlaſſen, als es mir wieder zuzuführen? Wie hatte er dies thun können, als er einem ſo ungewiſſen Schickſale entgegenging?

Schwendler klärte mich auf. Das ſei aus Haß gegen Alles, was vornehm heiße, geſchehen.

Nie war der Name von Leteln über Thielooſen's Lippen gekommen, nie war er auf Erinnerungen an

ſeine Frau eingegangen. Frau Schwendler hatte ſich

zwar nicht abhalten laſſen, den, wie es ihr ſchien, 14*