Druckschrift 
Die Herrin von Schwarzenhof : Roman / von Albrecht Heinz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

206

Thielooſen ſelbſt hatte in ſeinen Briefen mein Beneh⸗ men gegen ihn nicht ſo erbittert getadelt, wie mein Bruder jetzt das meiner Heldin verdammte.

Heimliche Ehen⸗ ſo ſchloß ſeine Kritik zenden, weil mit Lug und Trug begonnen, gewöhnlich mit Fluch. Das beſtätigt ſich auch bei Deiner verſchrobe⸗ nen, apathiſchen, charakterloſen Heldin. Immer nur halbe Maßregeln. Alle Verherrlichung, die Du ihrem ſpä⸗ tern Wirken und Leben für Andere angedeihen läßt, ſchrumpft ſehr vor der nackten Thatſache zuſammen, daß ſie, ſtatt die ihr offen und ehrlich angetragene Trennung des Bündniſſes herbeizuführen, lieber gefühl⸗ voll ſchwärmt, als zweckmäßig handelt, daß ſie, ſtatt ihr Leben endlich klar zu machen, zur Fälſcherin wird, ſich und möglicherweiſe Andern zum Nachtheil. Jedes Zeugniß, das die Vortreffliche ausſtellt, jede Bürgſchaft, welche die Wohlthätige übernimmt, jeder Vertrag, den die umſichtige Verwalterin abſchließt, jede Urkunde der großen Gutsherrin, Alles iſt des fal⸗ ſchen Namens wegen mindeſtens formell anfechtbar. Nicht einmal ein Teſtament zu Gunſten des abhanden gekommenen und denkbarerweiſe ſich wieder einfinden⸗ den Kindes kann ſie hinterlaſſen, ohne Beſorgniß, daß es als ungültig verworfen wird.

So war ich denn in ſchroffſter Weiſe verurtheilt. Bei dem einzigen Menſchen, an deſſen Mitwiſſen, Aus⸗

e