Druckschrift 
Die Herrin von Schwarzenhof : Roman / von Albrecht Heinz
Entstehung
Einzelbild herunterladen

205

wegen längere Zeit hier verweilte, habe ich ihn aus perſönlichem Umgang kennen gelernt.

Er war erſtaunt, in mir keineswegs die ſich ſelbſt genügende, das ganze Gut am ſtraffſten Zügel füh⸗ rende, amazonenhafte Herrin zu finden, welche, wie er ſich einbildete, aus unerwiderter Liebe zuerſt ſchwer⸗ müthig, dann beinahe unweiblich geworden. Voll brüder⸗ licher Theilnahme für mich, ward er meinem wieder auf⸗ lebenden Liebesbedürfniß Gegenſtand zärtlichſter Schwe⸗ ſternliebe. Wie oft war ich nahe daran, ihm in vollſter Hingabe mein Geheimniß zu offenbaren! Aber eine gewiſſe Beſchämung und die von der Mutter mir ein⸗ geprägte Scheu, ſein eigenes Glück zu trüben, ver⸗ ſchloſſen mir immer wieder den halb ſchon geöffneten Mund.

Später, als wir vertrauter geworden waren, als ich auf ſeinen Wunſch meine Einſamkeit mit einem Aufenthalt in ſeinem Hauſe vertauſchte, machte mich das Ungleiche in ſeinem Weſen, das jetzt auch mir gegenüber häufig hervortrat, bedenklich. Endlich kam ich darauf, ein dem meinen ähnlich gehaltenes Lebensbild als poetiſche Erzählung ſeinem Urtheil vorzuführen. Allein ſo gütig er ſonſt meine literariſchen Verſuche anerkannt, mich immer zu weitern ermuntert hatte, dieſe Arbeit verwarf er, erklärte entſchieden, ſie ſei nicht nur völlig verunglückt, ſondern ſogar meiner unwürdig.