204
ihn gekommenen Schmach mit nutzloſen Vorwürfen überhäufen. Laß ihn glücklich, Sidonie, er iſt mein letzter Stolz, mein letzter Lebensanker.”
Schmach und immer wieder Schmach! War ich denn die Schuldige? Mußte ich denn, weil mein Leben nicht ſonnig dahinfloß, bleiben, was ich geworden— eine vor der Welt Verſtoßene? War ich denn ſo hülf⸗ los in mir ſelbſt? War es ſo unmöglich, mir in Schwarzenhof eine eigene Welt nützlichen Schaffens zu bereiten?
Mit ſolchen Fragen raffte ich mich endlich aus dem thatloſen Brüten meiner Verzweiflung empor. Ich fing an zu arbeiten. Verſuche, in die Wirthſchaft ein⸗ zugreifen, glückten über alles Erwarten. Ein Kapital fiel mir durch Erbſchaft zu. Der alte, nur auf ſeinen Vortheil bedachte Verwalter konnte abgefunden, entlaſ⸗ ſen werden. Die Mutter, froh und voll Anerkennung, überließ mir Alles und zog am Ende ganz zu mir nach Schwarzenhof. Frieden und Stille kehrten auch bei ihr ein.—
Mein Bruder ging vermöge ſeiner großen Bega⸗ bung durch ſich ſelbſt und faſt mehr noch durch eine in hochariſtokratiſche Kreiſe reichende Verbindung der glän⸗ zendſten Laufbahn entgegen. Um ſo befliſſener war die Mutter, mich von ihm fern zu halten, und erſt nach ihrem Tode, als er der Erbſchaftsauseinanderſetzung
—————


