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Ziel war erreicht. Was aber nun anfangen? Als entflohener Verbrecher konnte er ſich in Italien unmoͤglich laͤnger aufhalten, aber was bot ihm das Ausland ohne Gaetana? Ohne ſie konnte er nicht leben, das wußte er; aber er dachte auch edel genug, um Gaetana nicht mit den Ausbruͤchen ſeiner Leidenſchaft zu be⸗ ſtuͤrmen. Lieber wollte er in ungluͤcklicher Liebe vergehen, als Gaetana zum zweitenmal in das Ungluͤck ſtuͤrzen.
Die Graͤfin wußte, daß Romerio ſie liebe; er hatte ihr auf der Flucht von Venedig die deutlichſten Beweiſe gegeben und auch ſie konnte ſich einer gewiſſen Anhaͤnglichkeit nicht erweh⸗ ren. Aber Liebe, das was man eine wahre, innige, hingebende Liebe nennt, das konnte ſie fuͤr den armen Romerio nicht fuͤhlen. Als er heute duͤſter neben ihr ſaß, ſprach ſie ihm freund⸗
lich zu, aber er mochte es fuͤhlen, daß in ihren ſanften Worten nur der Zoll der Dankbarkeit lag und weiter nichts, leider weiter gar nichts. „Neine Graͤfin,“ begann er endlich, nach⸗


