49
Es ſollte ein Scherz ſein, aber es klang nicht ſcherzhaft. Weil Benedictus nichts erwiderte, empfand der Graf Guido um ſo deutlicher, daß dies eine wunde Stelle in dem Verhältniſſe der beiden Prieſter zu einan⸗ der war. Zwar nahm er ſich vor, bei Gelegenheit daraus Nutzen zu ziehen, doch beſaß er zu viel Takt, um nicht von dem gefährlichen Thema abzulenken. So begann er denn ein Geſpräch von den Ernteausſichten und Wollpreiſen, von Bodenverhältniſſen und der An⸗ lage einer Spritfabrik, Gegenſtände, welche Gregor ſofort wieder in gute Laune verſetzten.
„Ich wollte, Euer Hochwürden wären mein Güter⸗ director“, ſagte der Graf, in der That erſtaunt über die Einſicht und praktiſche Erfahrung des Prieſters.
„Nichts für ungut, gräfliche Gnaden“, verſetzte der Pater,„aber lieber ſchon verwaltete ich meine eigenen Felder.“
Ein Hofmann iſt er nicht, dachte Guido und daß er mit dem einen harten Kampf haben würde. Mit einem Profeſſor wird man ſchneller fertig.
Jetzt verließen ſie den Wald und ſahen vor ſich den ſanft anſteigenden Hügel mit den ländlichen Häuſern und dem ragenden Schloß. Ein warmer Ton,
röthlich golden, lag auf dem Gemäuer; im Thurm der
tiefer liegenden Kirche begannen die Glocken zu klingen. Heigel, Benedietus. I. 4


