Teil eines Werkes 
1. Bd. (1875)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

34

droben zu überlegen, einen Entſchluß zu faſſen. Sie ſah und hörte nichts, ſie fühlte nur die Laſt, welche ſie trug.

Seit einigen Tagen war eine in norddeutſchen Adelskreiſen ſehr bekannte und beliebte Perſönlichkeit, ein Epikuräer in Glacéhandſchuhen, ein gebildeter Müßiggänger, Herr von Flor, des Grafen Gaſt. Dieſer Herr begegnete Coſima auf der Treppe.

Er begrüßte ſie. Seine Art zu grüßen war muſtergültig.

Wie, gnädige Gräfin, ſagte er galant,Sie waren bereits im Freien? Ah, nun wundere ich mich nicht mehr über den wunderbaren Tag.

Coſima ſah ihn mit fremdem Blicke an und ſchritt ohne Antwort an ihm vorüber.

Herr von Flor ſtaunte.Die gute Gräfin ſcheint Verſe zu machen, murmelte er vor ſich hin.Aber ihr verzeihe ich ſogar Gedichte! Sie iſt das Reizendſte, was das Weibergeſchlecht bietet: eine fromme Venus.

Durch eine Reihe kleinerer Salons ſchritt Coſima nach dem Zimmer, das ihr zum Aufenthalte diente, wann ſie allein war.

Sie war ſehr häufig allein.

Hier ſtand ihr Malgeräth, hier ihr Piano. Die Bilder an den Wänden waren Portraits ihrer Familie,