Dann überlegte ſie, immer den Blick auf das engel⸗ ſchöne Geſicht der Dame gerichtet.
Ach, das Räthſel dieſer Augen hielt Coſima im Bann wider ihren Stolz und ihre trübe Ahnung.
„Ich belog Sie vorhin“, begann Doris;„ich habe meine Mutter gekannt. Sie war eine Unglück⸗ liche. Als ich Unglück verſtehen konnte, erzählte ſie mir ihre Geſchichte. Dieſelbe gehört nicht hierher. Aber ohne dies Vermächtniß meiner Mutter ginge ich wahrſcheinlich nicht ſo aus Ihrem Hauſe— ich meine, ſo leichten Herzens und ruhigen Gewiſſens. Ohne jene furchtbare Warnung hätte ich den Schmeicheleien und Verſprechungen geglaubt, die—“
„Ich bitte Sie, Doris“, rief die Gräfin mit einer abwehrenden Geberde. Aber da glitt auch ſchon etwas in ihre Hand.
„Die in dieſen Blättern ſtehen“, fuhr die Uner⸗ bittliche fort.„Ich übergebe ſie Ihnen als mein Vermächtniß.“
„Nehmen Sie zurück!“ ſprach Coſima haſtig.
„Nicht doch! Sie haben in gewiſſer Beziehung ein Recht auf dieſe Briefe. Und dann: Sie können ſie ja auch ungeleſen vernichten!“
Coſima ſtand unſchlüſſig, todtenbleich.„Eine Frage!“ ſtieß ſie mühſam hervor.„Wenn Sie


