Die Unterredung wurde für Coſima, welche gut⸗ müthig, doch immer die vornehme Dame war, mehr und mehr peinlich.„Der Ungnade?“ ſagte ſie.„Was für ein Wort! Um wahr zu ſein— der Graf fürch⸗ tete, daß Ihre Verſtimmung auf unſer Kind Einfluß haben könnte.“
„Und deshalb verſchrieb er eine Erzieherin aus dem luſtigen Paris.“
Die Gräfin ſtand beleidigt auf.
„Was mein Gemahl thut, iſt wohlgethan. Ich ſehe, Sie wollen diejenigen, welche es gut mit Ihnen meinen, bis zum letzten Augenblick verkennen.“
„Ich verkannte Sie nie“, rief das Fräulein, ſich ebenſo raſch erhebend,„aber auch nicht Ihren Gemahl. Es wäre ſchlimm für Sie und mich geweſen, wenn ich mich jemals über ihn getäuſcht hätte!“
Coſima gab es plötzlich einen Stich ins Herz. Doch ihr Ton blieb gelaſſen.„Ich verſtehe Sie nicht.“
Die grauen Augen Doris' bohrten ſich in die der Gräfin.„Wirklich nicht? Oder wollen Sie mich nicht verſtehen?“
„Dieſe Sprache nicht, mein Fräulein— oder nur in der Gegenwart meines Gemahls.“
„Blind! blind!“ rief jene, beinahe verächtlich.


