Teil eines Werkes 
1. Bd. (1875)
Entstehung
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tät, aber verſtändig, ein Lebemann, der mit noblen Paſſionen praktiſchen Sinn verband. Selbſt nicht viel mehr als ein Dilettant und geſchäftiger Müßig⸗ gänger, beſaß er einen bewundernswerthen Inſtinkt, ſich die rechten Leute zu wählen; ſeine Beamten waren vortrefflich. Er wurde von ihnen nicht geliebt, aber auch nicht betrogen. Die Männer arbeiteten, und ihre Frauen ſchwärmten für ihn.

Die Frauen ſie bildeten das einzige ro⸗ mantiſche Kapitel in Guido's Leben, ſie waren ſeine Leidenſchaft, freilich wie alle Romantik mehr gewalt⸗ ſam als gewaltig. Es hieß allgemein, daß er ſeine Frau aus Liebe geheirathet habe. In Wahrheit jedoch hatte die Eitelkeit ebenſo viel Antheil an ſeiner Wahl als die Liebe.

Dies war der Hergang:

Guido lernte ſeine Frau in einer kleinen Reſidenz kennen, wo ſie, damals ein Fräulein von Sendten, als Hofdame lebte. Sie war ſehr jung, ſehr ſchön, ſehr arm. Ihre zahlreichen Bewunderer ſagten, daß ſie einer als Schönheit vielgerühmten preußiſchen Prin⸗ zeſſin zum Verwechſeln ähnlich ſehe, und dies war, was eine Huldigung ſelten iſt, zugleich Wahrheit und große Schmeichelei.

Guido, der ſonſt nicht für Preußen ſchwärmte,